Lirayin

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  • Die Elfe ohne Heimat.

    Denkt man an die Elfen, wird der Kopf mit Bildern der Eleganz, bezaubernder Magie, Schönheit und Stolz gefüllt.
    Denkt man an Lirayin, fallen einem Worte wie verschwiegen, unangepasst, zu einem gewissen Grad unhöflich, unglücklich, ein.

    Doch unterscheidet sie sich nicht vollständig von den anderen Elfen, in einigen Punkten, wie im Aussehen, kann man sie mit anderen Elfen vergleichen.
    Wie die meisten anderen Elfen ist sie hochgewachsen mit einem trainierten Körper der nicht unangenehm anzusehen ist, wenn man über die Wunden und Flecken, die sie aufgrund ihrer Arbeit immer wieder haben wird, hinwegsieht.
    Leider hören da schon die Gemeinsamkeiten auf, denn selbst die Haut könnte schnell Aufmerksamkeit erregen: Sie ist kreideweiß. Als hätte sie die Sonne nie gesehen oder der Mond hat ein Kind geboren, war sie schon immer so und wird sich auch nie ändern.
    Das Gesicht könnte auf manch einen attraktiv wirken, auf den anderen abstoßend oder gar sinister. Alles findet hier seinen Platz und ergänzt sich perfekt mit den jeweils anderen Knochen, so zum Beispiel der starke Kiefer fortgeführt von dem etwas länglichem doch runden Kinn. Oder aber die hohen Wangenknochen, die sich perfekt mit den großen, leicht zur Mitte geneigten Augen verstehen. Abgerundet wird das Ganze mit der kleinen Lippe: Die obere Hälfte ist deutlich schmaler als die untere und komplett silber, so wirkt es als trage die untere Hälfte mit dem silbernen Streifen diese, und der kleinen, hohen Nase.
    Der wahre Hingucker, wie bei einer anderen, hibbeligeren Gestalt, sind die Augen, zumindest für gewöhnliche Menschen: Zwei Farben. Rechts ein stechendes Weiß mit einer kleinen Pupille und schwarzem Rand, links ein sinisteres Violett, ebenfalls mit einem schwarzen Rand. Eine lange Narbe, die sich an der linken Braue beginnend über das Auge bis zu den Wangen zieht sind eine weitere Einzigartigkeit.
    Zuletzt die Haare, zu denen es nicht viel zu sagen gibt. Sie sind ein "angegrautes" Weiß mit dunkeren Spitzen, hüftlang und meist gepflegt, sollte man sie überhaupt zu Gesicht bekommen.





    Wer es nicht sofort aus ihrem Gesicht entnimmt, der kann hier mehr über ihr Verhalten erfahren.
    Lirayin Sarithas ist die Verkörperung der Ausgeglichenheit und absoluten Ruhe. Zumindest würde es ein Autor so beschreiben, wenn er etwas überspitzen müsste um seine Geschichte dramatischer klingen zu lassen.
    Diese Elfe spricht nur dann, wenn es unvermeidbar ist, dass eine Antwort durch Worte benötigt wird. Und in der meisten Zeit ist es vermeidbar, weshalb sie an vielen Tagen nicht ein Wort an die Luft vergeudet.
    Ihre Bewegungen handeln diesem Muster entsprechend: Effizient, heißt, zielgerichtet und nicht ein bisschen zu viel, und oftmals langsam.
    Monoton und aufmerksam bleibt der Gesichtsausdruck zu jeder Zeit. Fast, als hätte man sie in Stein gemeißelt.
    Die Wahl der Kleidung ist relativ zufällig, bis auf eines: Sie trägt zu beinahe jeder Zeit, in der sie in der Nähe von Menschen oder anderen Elfen ist, ein Vollvisierhelm. Egal was sie am Körper trägt, ein Kleid, Rüstung, Arbeiterkleidung, der Helm ist unerlässlich.
    Aus diesem Grunde erweckt sie auch wenig Aufmerksamkeit der Bevölkerung und ist so höchstens Thema von ein paar harmlosen Tavernengesprächen:
    "Habt ihr diese Frau mit dem Helm gesehen? Was glaubt ihr, steckt darunter?"
    "Also wenn es ein Gesicht entsprechend dieses feinen Körpers ist, weiß ich, warum sie dieses versteckt, ha! Könnt' sich am Ende kaum noch retten vor den Verehrern."
    "Oder aber es steckt etwas Missgestaltetes unter diesem Helm und sie versucht es deshalb geschickt zu verbergen."
    Ansonsten pflegt sie wenig Kontakt zu anderen Lebewesen und ist am liebsten für sich alleine. Besonders in der Nacht kann man sie häufig sehen, wie sie still wie eine Statue steht, die Landschaft, Himmel und Mond bewundert oder aber ein Buch liest.

    Es gab aber auch eine Zeit, da rankten sich viele Gerüchte um sie. Doch ist diese Zeit längst vorüber, und die meisten Geschichten sind ausgestorben oder ausgelöscht worden. Jetzt ist sie nur noch ein Geist im Körper einer Elfe.



    Blut spritzte und ich wagte es für eine lange Zeit nicht meine Augen zu öffnen. Schreie hallten durch die Nacht mit dem klaren Himmel. Dann Stille. Langsam wagte ich mich aus meiner Deckung unter der Kutsche und dachte, ich bin gestorben.
    Es war ein Bild eines Engels, welches sich vor mir entfaltete: Der weiße Mond lächelte hinab auf die Gestalt, die in der Mitte eines Kreises bestehend aus Leichen stand. Die weißen, unendlich langen Haare erzitterten des sanften Nachtwindes wegen, ihre Waffenhand wurde langsam gesenkt und so drehte sie sich in meine Richtung. Der Blick gleichgültig, unbetroffen, aber die Augen sprachen von einem unvorstellbarem Leid, von einer immensen Trauer. Noch immer tropfte das Blut von ihrer Hand, aber ich verspürte keine Angst, nur Neugierde.
    "Wie heißt Ihr?", kam es aus mir heraus, ohne, dass ich es kontrollieren konnte.
    Eine Antwort sollte ich nicht erhalten. Der Mond wurde von einer einzelnen, einsamen Wolke bedeckt, die Dunkelheit kehrte zurück, und der Engel war nicht mehr da.
    Habe ich nur geträumt?


    Abschnitt aus einem Tagebuch eines längst verstorbenen Händlers

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