RP: Bauarbeiten

    • RP: Bauarbeiten

      Wie bereits im RP mit Paedair angespielt, plant Minuial die Mietzimmer der Osteria, von denen sie ja eins zur Dauermiete hat(Velia 1 Raum 1 - 3), mit fließend Wasser zu versorgen. Es fand um dieses Vorhaben ein wenig AtmosphärenRP statt, uA auch mit Jilleen, bei der Baumwolle für die Isolierung der Rohre bestellt wurde etc. Es dauerte natürlich ein wenig bis die Materialien angeliefert wurden. Aber endlich geht es los.

      Wasserdicht, und nicht ganz dicht.


      Mit einem leichten, kraftlosen Plätschern klatschten die Wellen lustlos gegen den Strand Velias und die Bohlen der Werft in der windstillen Morgenfeuchte des Sommers. Es versprach ein heißer Tag zu werden, wieder.
      Als er von seinem aufgeräumten Schreibtisch aus dem Fenster sah, hielt er es erst für eine Hitzeerscheinung. Zumindest hoffte er inständig, dass es eine war. Diese Hoffnung war vergebens…

      „Ich will das hier gebaut haben!“ Mit diesen Worten in einem sehr fordernden und etwas quäkenden Tonfall und einem leichten Schlag mit der flachen Hand auf den Schreibtisch des Vorstehers des intakten Teils der Werft in Velia, Alessandro Bacci, flog die Seite Papier vor dessen Augen.
      Susi Sorglos. Er hatte immer gehofft diese Verrückte würde nie zu ihm kommen und atmete tief ein, während Susi mit dem Finger auf das Papier mit deutlich erkennbaren Skizzen und etwas wirren Rechnereien tippte. „Und das soll ordentlich gemacht werden. Ich will Fachleute, keine Bauern.“ Alessandro sah nach oben und wollte die Frau grade bitten seine Werft wieder zu verlassen, da wurde ihm klar, dass seine Männer schon seit Tagen nur noch Kisten mit Tauen und Winden umherstapelten, da zur Zeit sowieso nicht viel zu tun war. Mitten in Sommer waren die meisten Schiffe auf See und so unmöglich sah die Zeichnung gar nicht aus. Wenn es nur nicht diese Verrückte wäre…
      „Es kann nicht so schwer sein, und berechnet ist es auch! Das Material ist auch da! Ich zahle eine Münze für vier Mann, sechs Tage Arbeit.“ plapperte Susi munter weiter, während Alessandro kurz die Berechnungen ansah. Dann stockte er und sah auf. „Miss Sorglos? Sie meinen mit einer Münze eine ihrer Münzen? Ich meine…“ er beugte sich vor und flüsterte. „Die aus Gooold?“ Susi war gerade im Begriff weiter zu plappern als sie innehielt und den Mann ansah als hätte er eben die Frage gestellt, ob man im Regen ohne Unterstand nass wird. „Natürlich sind die aus Gold!“ blaffte sie, während Alessandro zusammenzuckte und die Arbeiter sich zu Susi umdrehten. Einen Moment war Totenstille in der Werft. Man konnte fast das Echo des letzten Wortes vernehmen, das sich fast geisterhaft im Raum zu halten schien. „Gold.“

      Man munkelte nur in dunklen Gassen oder leise bei einem Bier, dass Susi Sorglos so reich ist, dass sie in Goldmünzen bezahlt. Und fast wäre es als Legende abgetan, hätte sich der örtliche Lagerverwalter und Wechselstubenbetreuer nicht einmal im Wirtshaus verplappert, als er einen Humpen Bier zu viel hatte. So hielt sich das Gerücht hartnäckig.

      Susi sah Alessandro an „Was?! Eine Münze ist nicht viel! Das verdienen Diener hier im Monat, also vier Mann eine Woche. Das ist Mathematik!“ Der Werftverwalter schnappte nach Luft. Eine Goldmünze pro Monat. Er lebte von der Hälfte! Er zuckte etwas zusammen, als Susi Sorglos schon wieder lautstark und schnell mit dem Finger auf das Papier tippte und sah auf den Plan.
      Ein Wassertank? Problemlos machbar, nur die Berechnungen waren unverständlich für ihn. Alessandro hob den Kopf und sah etwas ratlos zu der Blonden, deren Finger wohl ständig was zu tun brauchte. „Frau Sorglos, wir können diesen Tank bauen, das ist kein Problem, aber was sollen diese Zahlen und Gleichungen bedeuten?“ Susi tippte weiter fest mit dem Finger auf das Papier. „Das sieht doch jeder! Statikberechnungen! Statik! Ganz einfach! Da! Hier ist die Kraftverteilung auf tragende Wände und hier die zu erwartende Mehrbelastung bei Wind bis zu einer Windstärke von 10 Meter Wellenhöhe, und Schnee bis zu einer Höhe von einem Schritt! Hier ist die Lastverteilung der Struktur in sich, und natürlich die ideale Höhe und Durchmesser für das gewünschte Fassungsvermögen. Das sieht man doch!“ plapperte und wetterte sie in unglaublichem Tempo, während Alessandro auf die wild verteilten Zahlen und Rechenwege starrte, die mit Pfeilen zueinander, das Konstrukt, und manchmal nirgendwo hin zeigten. Aber es ging um eine ganz Goldmünze … Er raufte sich die Haare. Während Susi Sorglos, mittlerweile auch sehr oft „Sommerwind“ genannt, etwas zynisch blaffend meinte, „Aber ich mach es ganz einfach. Ich male Punkte aufs Dach wo die Stützen verankert werden sollen und erstelle einen Bauplan, ja? Dann begreift es auch ein Bauer.“ Sie sah zu ihm, mit Glubschaugen, leicht geöffneten Mund, und der Zungenspitze auf der Unterlippe liegend, während sie extrem langsam und etwas dumpf verzerrt sprach. „Bauen da wo Punkte Sind. Bauen nach Plan. Bauen mit Holz.“ Allessandro sah zu seinen Männern. Diese Verrückte hatte gerade ihn, sie, und wohl jeden rechtschaffenden, wenn auch nicht hochgebildeten, Arbeiter beleidigt. Jeden noch so feinen Edelmann hätten sie mit einem Shanty auf den Lippen aus der Werft getragen. Doch in den Augen seiner Jungs stand nur ein Wort geschrieben „Gold!“ Zögerlich nickte er Susi zu. „Für eine Woche müssen meine Männer Doppelschichten machen, und solange ihr euch um das Material kümmert, wären wir bei zwei Münzen, da wir das in einer Woche schaffen sollen.“ Wieso nicht etwas mehr rausschlagen? Immerhin hat diese Verrückte gerade die Hälfte der Einwohner Velias in einem Wort beschimpft.

      Susi nickte zufrieden und erwiderte zwitschernd, den Zettel mit der Zeichnung grabschend „Gut! Das ist ja gar nicht so teuer! Morgen fangt ihr an, das Material befindet sich im Kneipenschuppen, sprecht mit dem Wirt.“
      Ein gutes Geschäft in der sonst etwas trostlosen Sommerzeit, freute sich Alessandro und ein schöner Bonus für ihn und seine Leute. Er reichte Susi die Hand, ließ sie auf den Handel einschlagen und verabschiedete sie so höflich er es vermochte. Diese erwiderte den Gruß flötend und machte sich auf den Weg nach draußen. Und so begannen am nächsten Tag die Bauarbeiten auf dem Dach der Mietzimmer. Man hört die Leute murmeln, dass die Arbeiter sehr gewissenhaft arbeiten würden. Das man es gar nicht gewohnt ist, die Werftarbeiter so konzentriert zu sehen. Es heißt, sie führten sogar eine Inventarliste…


      Alessandro hakte ein weiteres Brett auf der Inventarliste ab, während er sich in Gedanken zurückrief was sie gesagt hatte als Susi gerade die Werft verlassen wollte. Sie und sah über die Schulter auf die Werftarbeiter, während sie sehr deutlich und in einem klaren Tonfall sprach. „Und nur um es gesagt haben. Wird mein Dach nass, mach ich Euch nass. Hab ich Wasser in der Wohnung, habt Ihr Wasser in der Wohnung. Verschwinden auf merkwürdige Weise Materialien, verschwindet Ihr auf merkwürdige Weise. Bricht irgendwas zusammen, brecht Ihr zusammen. Schönen Tag!“
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      I hope in your stumbling around, you do not wake the dragon. (Londo Mollari, Babylon 5)