Gabriel Fazzini

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    • Gabriel Fazzini





      Erbgraf Gabriel Fazzini über sich selbst



      „Erinnert ihr euch an den Fazzini Jungen? Das schweigsame Einzelkind mit der fahlen Haut, dem gen Nasenrücken gerichteten linksseitigen Blick und dieser Unart Menschen, zugegeben in der Jugend später mehr noch Mädchen wortlos anzustarren? Das war ich und ich bin zurück. Das nach über einem Jahrzehnt in der Versenkung. Glaubt ruhig dem Geschwätz, der unzufriedene Vater hätte seinen unheimlichen, wortkargen Jungen ohne Rückgrat gegen irgend einen anderen getauscht. Ich entscheide mich dann, was mir besser in den Kram passt. Die Wahrheit oder die Lüge? Doch was ist die Wahrheit? Der junge Gabriel war zu nichts zu gebrauchen. Nicht für Spiele mit anderen Kindern, nicht für gesellschaftliche Anlässe die mehr von ihm forderten, als der Schatten seiner Mutter hinter ihrem weiten Kleid zu sein und auch nicht als Sohn eines Mannes, der Eisen gießen lässt und die Kriegstrommel rührt. Was konnten die verwöhnten Gören schon dafür, die mit mir tanzen sollten, es nicht wollten und dann auch noch von so einem wie mir abgelehnt worden waren, weil ich nur stotterte, statt aufzufordern. Das Wort Außenseiter trifft es nur aus ferner Perspektive. Ich war immer da. Ich habe euch immer gesehen. Und jetzt sehen wir uns in Calpheon wieder.“










      „In der Zeit, in der ich der Öffentlichkeit weitestgehend fern blieb, erschienen einige Werke unter dem Namen eines Autors mit dem prägnanten Pseudonym Gabrazzini. Natürlich mutmaßte man hier und dort, jemand hätte sich beim Ausleben der teils abstrakten Lyrik mit meinem Namen geschmückt und sich dreist der Assoziation bedient. Die nicht selten pessimistischen Ansichten bis hin zu vollkommen lebensmüden Pointen in Geschichten, die nur Sinnbilder sind und nie glücklich und zufrieden bis an alle Abende enden, passten zum kleinen Erbgrafen ohne gesellschaftliche Zukunft. Ein künstlicher Autor, der Kunstwerke erschafft. Zu romantisch. Die Triste Wahrheit würde euch überraschen. Ich war es selbst. Falls ihr je daran hättet glauben können. Und wenn ihr irgend etwas davon zu Ende gelesen habt, ob dabei verstanden oder nicht, gratuliere ich euch. Ihr habt meine Lehren geschluckt. Meine theoretische Fachliteratur hat sich dank der engstirnigen Greise dagegen nie durchgesetzt. In manchen Lehren zählt das Alter mehr, denn Weisheit. Ein menschlicher Fehler. Ein bedauerlicher, menschlicher Fehler. Sucht irgendwo hinter den Regalen, unter dem Bein eines sonst wackelnden Stuhles, falls ihr gerne Schätze jagt.

      Heute, nach Jahren fern von hier oder hinter Mauern, die mich liebten, wirkt Gabrazzini ohne Gesicht und hörbarer Stimme blass hinter meinem Selbstbild. Ich bin ein anderer. Vor anderen. Nicht nur in Gedankenspielen vor dem Spiegel, während draußen die einschüchternden Ungeheuer der echten Welt lauern. Ich stelle mich ihnen. Und ich zähme sie. Im Zweifel, da unterwerfe ich sie. Seid also keines. Und fragt euch, wo dieses Hier, das ich eben nannte wirklich liegt. Ihr werdet überrascht sein.“