Blaue Augen

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  • Es dauerte nicht lange und es kamen erste Berichte vom 'Erfolg' dieser dunklen Rituale, welche die Kreaturen im Menschenland zum Wahnsinn trieben.
    Linwe erklärte mir, das Zentrum der Macht des an Kamasilvia angrenzenden Landes wurde 'Calpheon-Stadt' genannt, nach dem Land in dem es liegt. Diese Stadt geriet nun unter immensen Druck durch all die verschiedenen Arten von Wesen, welche mit suizidalem Trieb diese attackierten.
    In einem vorgeschobenen Posten nicht weit von einem der Ritualorte entfernt, tief in den Wäldern Kamasilvias, nah an der Navarn-Steppe, konnten wir nur noch abwarten. Missionen gab es so gut nicht mehr, da ab jetzt die Ganelle unter Brolina Ornette alles übernahmen. Sie mussten nur noch den Großteil der Einel von der derzeitigen Königin trennen, dann schlagen sie zu. Mein Zelt lag in Dunkelheit, da ich kein Licht mehr zum sehen brauchte. Ich saß auf einem der hölzernen Hocker und starrte in die Leere. Aurelia saß auf meinem Bett und kümmerte sich um ihr Haar mit einem goldenen Kamm.
    "Das ist nicht richtig.", flüsterte ich irgendwann und schüttelte den Kopf.
    "Aber notwendig.", antwortete Aurelia. "In langer Sicht wird es mehr Leben retten als es jetzt kostet.", sprach sie weiter gegen mein Gewissen.
    Aurelia erhob sich und ich schaute kurz zu ihr, fühlte mich aber wieder unwürdig mehr als ein paar Sekunden auf ihre ewige Schönheit zu starren, so drehte ich den Kopf wieder bis ich Löcher in den Boden starrte. Aber sie kniete sich vor mich und legte ihre Hände auf meine, und auch wenn ich sie nicht fühlen konnte, eine gewisse Wärme machte sich erst in meinen Armen, dann in meinem ganzen Körper breit. "Jetzt ist es geschehen, Vexilion. Du hast alles gemacht, was du tun konntest. Und du hast es richtig gemacht. Es gibt jetzt noch etwas anderes zu erledigen, dann kannst du endlich in Frieden leben."
    Ich wusste genau, wovon sie sprach. Sie sprach von der Elfe, die mich zurückgebracht hat, und mich mit Aurelia verbunden hat. Eine Konfrontation erscheint unvermeidbar, Linwe und Hulon zählten auf mich...aber Eloen vielleicht auch.
    Nachdem ich die Geschichte gehört habe, bemühte ich mich, an mehr Informationen zu kommen. Anscheinend gab es ein Blutbad in Grána, welches auf eine von einem Schwarzgeist besessene Elfe geschoben wurde. Eine Ganelle sollte es gewesen sein, doch wusste ich es besser. Die Ganellen Gránas sollten nicht glauben, Vedir konnten in die Stadt kommen und ein Massaker anrichten. Einundzwanzig tote Ganelle, drei davon Einel und der Rest Waldläufer, soll es gegeben haben. Ich schüttelte den Kopf und lachte bitter. Selbst Eloen hätte das nicht allein schaffen können. Das sah für sie aus nach einer Lüge um die Angst der Bewohner zu schüren, damit diese weiter die Jagd auf die Vedir, welche angeblich besessen sind, zu finanzieren und zu unterstützen.
    "Vergiss nicht, wer dich nie aufgegeben hat.", erinnerte Aurelia mich, welche meinen Kampf natürlich spüren und meine Gedanken lesen konnte.
    "Der Krieg, die Jagd...mein Tod. Meine Welt wird immer wieder auf den Kopf gestellt, Aurelia. Ich weiß einfach nicht mehr, an was ich glauben soll, an was ich glauben kann. Es fühlt sich an, als befinde ich mich in einem ewigen Traum, verschwommen, kryptisch...nicht real.", gab ich zu und zum ersten Mal seit Jahrzehnten flossen Tränen aus meinen Augen.
    Einmal war der Damm gebrochen, konnte ich nicht anders als unkontrolliert zu weinen. Meine Seele war längst zerbrochen, deshalb brauchte ich Aurelia. Sie ergänzte, was mir fehlte. Von dem Tod kehrt man nie ganz zurück. Aurelia umarmte mich und versuchte mich zu beruhigen.
    "Bald ist alles vorbei. Ich werde dir helfen, Frieden zu finden, Vex. Wir schaffen das.", hauchte sie in mein Ohr.
    Es dauerte nicht lang und ich konnte mich wieder fassen. Aurelia verschwand wenige Sekunden später und jemand kam in mein Zelt. Dank meinen unnatürlichen Augen konnte man nicht sehen, dass ich gerade noch gewimmert habe. Ein großer Mann mit warmen, grünen Augen. Mittlerweile hatte er sich rasiert und sich gepflegt. Er sah besser aus als je zuvor, dachte ich.
    "Hulon.", grüßte ich ihn.
    Er nickte mir mit einem Lächeln zu und nahm neben mir Platz, auf dem zweiten Hocker. "Ich bin mir sicher, du bist es Leid zu hören. All die Argumente gegen Eloen, aber ich will noch einmal mit dir sprechen.", offenbarte er sofort seinen Grund für diesen späten Besuch. "Ich werde offen wie ein Buch sein, also frag mich alles, was du willst."
    Das war ein unwiderstehliches Angebot, aber jetzt wo ich die Option hatte, wusste ich nicht, was ich überhaupt fragen soll. So zuckte ich nur mit den Achseln und starrte ihn ratlos an. Er lächelte etwas traurig und kramte ein feines Tuch aus seidenem Stoff aus einer Tasche versteckt unter seiner Kleidung. Als er es ausfaltete, erkannte ich sofort ein Kunstwerk, ohne Zweifel mit Magie auf das Tuch gebrannt. Ein Meisterwerk, meiner Meinung nach. Die Details wirkten so real, es sah aus, als schaue ich in den Moment auf die echten Elfen vor mir. Ich erkannte die drei Elfen auf dem Kunstwerk sofort: Zwei junge Elfen, nicht mehr als fünfzehn Winter alt, standen rechts und links neben einer blauäugigen Elfe, welche ungeahnt sanft lächelte. Die Elfe aber sah aus wie immer, wie Vexilion sie kennengelernt hat...mit dem signifikanten Unterschied der Augen.
    "Linwe, du....und Eloen?"
    Waren sie Kinder von Eloen? Oder kannten sie sich einfach nur sehr gut? Sie konnte auch die ältere Schwester sein! So viele Fragen schossen durch meinen Kopf.
    Hulon betrachtete das Bild intensiv mit traurigen Augen. "Ja. Bevor du fragst: Nein, Eloen ist nicht unsere Mutter, aber für uns war sie stets so etwas wie unsere beschützende Schwester. Damals, als Grána längst nicht so groß war wie heute und es noch nicht so viele Elfen gab, kannten viele Kinder Eloen. Sie kümmerte sich oft um Waisenkinder oder Kinder, dessen Eltern oft verreist sind."
    "Warum...zeigst du mir das? Und wie kannst du sie jetzt als Feind betrachten?"
    "Ich zeige es dir, weil ich damit sagen will: Ich kannte sie damals sehr gut, habe sie bewundert. Aber sie ist nicht mehr die Eloen, die sie einst war. Das wollte ich nie wahrhaben, aber ich kann der Realität nicht ins Antlitz schauen und mich weiter selbst belügen. Ich verstehe dich, deinen Kampf. Linwe auch. Wir fühlten, und fühlen immer noch, so wie du...aber es ist fast geschafft, Vex. Nur noch dieser eine Schritt fehlt, dann können wir ruhen."
    Meinen Blick konnte ich nicht mehr von diesen himmelsblauen Augen abwenden, welche mich in ihren Bann zogen als bin ich verzaubert. Hulon legte mir eine Hand auf die Schulter, rüttelte sie sanft und erhob sich. "Behalte es, Vex. Wenn du reden willst, mein Zelt wie das von Linwe sind dir stehts offen." Und wieder ließ er mich allein.
    Auch ich konnte es sehen. Die Aura der Elfe in dem Bild war eine andere der Elfe, die sie kennengelernt hat. Und wieder schwirrte die wichtige Frage in ihrem Kopf: Wie alt konnte sie sein? Für Vexilion waren Linwe und Hulon bereits alte Elfen...War sie also womöglich eine der ersten?

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Kommentare 2

  • Maevan -

    *beletthink*

    • Sarithas -

      :belethmm: