Herzrasen

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Mitsamt ihrer neuen Beute verließ Venette den kleinen aber unheimlich gemütlichen Kräuterladen. In ihrem Beutel befand sich nun eine Mischung von Tränken, die selbstverständlich nicht zusammengemischt werden sollte.
    Erneut öffnete die Schwarzhaarige ihren Beutel und blickte grinsend auf den Inhalt: Eine Phiole gefüllt mit grüner Flüssigkeit, ein Mittel zum inhalieren, welches beruhigend wirken soll. Teekräuter eines Tees, welcher das Herz zum rasen bringt und zuletzt ihr bester Schatz:
    Eine Phiole mit einer pinken Flüssigkeit. Ein äußerst potenter Liebestrank, so versprach dieses Kräutermädchen. Das Kräutermädchen, oder die Kräuterhexe, wie Venette sie im Kopf behielt, schien sich mit jeder Art Kraut auszukennen und das machte sie in den Augen der Schwarzhaarigen
    äußerst gefährlich. Sie könnte ganz Calpheon auf eine Art und Weise vergiften, bei der die Wachleute es erst herausfinden würden, wer es war, wenn es längst zu spät ist. Venette schüttelte den Kopf und vertrieb sich solche Gedanken sofort wieder aus dem Kopf. Sie malte sich immer die schlimmsten Szenarien aus.
    So war sie immerhin vorbereitet. Während sie durch die volle und laute Marktstraße Calpheons spazierte, musste sie immer wieder eilenden Händlern oder aufgebrachten Abenteurern ausweichen. Wo sie hinschaute gab es Waren, Menschen, Elfen, Riesen oder was auch immer es so auf der Welt gab, und nichts davon stand still.
    Zwar scheute Venette ein wenig Aufregung nicht, aber sie konnte sich nicht vorstellen, sich jeden Tag einer solchen Hektik und einem solchen Stress auszusetzen. Ihre Beine trugen sie durch die halbe Stadt bishin zur oberen Brücke zum Adelsviertel.
    Die Wachleute beaugapfelten sie skeptisch, doch das war der Schwarzhaarigen gleich. Sie hatte nun eine Erlaubnis, sich in dem Viertel aufzuhalten. Ein Wunder, dachte sie. Ihr Bruder hatte es geschafft, einen dicken Fisch an Land zu ziehen. Einen dicken Fisch namens Amalia Erzanodd, welche nun nicht mehr in der Stadt war.
    Allerdings gefiel ihr die Art nicht, wie ihr Bruder an den Auftrag der Erzanodd Dame rangekommen ist: Es begann alles mit dieser anderen Elfe. Vermutlich hat er das Bett mit ihr geteilt, und anscheinend blieb er in Erinnerung, denn hat diese Elfe direkt dafür gesorgt, dass sie dieser Erzanodd Person vorgestellt wird.
    Die Elfe, Eloen war ihr Name, empfand Venette als am schlimmsten von den dreien. Venette mochte weder Amalia, welche immer so falsch wirkte, noch Xenvalon, diesen streitsüchtigen Rüpel, und schon gar nicht Eloen. Ihre Augen versprachen den Tod. Es gab nicht viele Dinge, wovor Venette zurückwich, aber sie hielt sich gepflegt von der blonden Elfe fern so gut es ging. Aber nun hatte sie den Auftrag, etwas für die Erzanodd Dame zu suchen, und auf ihr Hab und Gut zu achten solange sie weg ist, und dieser wurde äußerst reich entlohnt. Ihr Bruder und sie durften sogar an manchen Tag in der Villa der Erzanodds schlafen.
    Und genau dort musste Venette hin. Sie war sich der Blicke des anderen Adels, welcher hinab auf sie schaute, als wäre sie ein Käfer in einer Küche, bewusst. Jemand, der nicht hier sein sollte. Vielleicht sollte sie auch nicht hier sein, aber lange plagte sie sich nicht mit solch unnützen Gedanken.
    Sie ging geradewegs zur Tür der Erzanodds. Die erste Tür kriegte sie mit einem Schlüssel auf, dann ging es die Treppe hoch und vor der zweiten Tür blieb sie wieder stehen. Dafür hatte sie keinen Schlüssel bekommen. Hier musste sie klopfen und geduldig warten, bis jemand öffnete.
    Die Tür öffnete sich und zum Glück stand ihr Bruder da: Eine Reflektion von ihr, nur in männlicher Version: Helle, grüne Augen, rabenschwarze Haare, einen starken Kiefer und definitiv attraktiv. Nur war ihr Bruder um einiges größer als sie und so musste sie hinauf schauen zu ihm.
    "Ich befürchtete bereits, dieser Xenvalon steht an der Tür.", bemerkte Karazin während er ihrer Schwester Platz machte, um sie reinzulassen. Venette spazierte in die zwar zweifelsohne teuer aber spartanisch eingerichtete Räumlichkeit. Zumindest gab es noch einige Regale, Schränke, Sofas und einen Tisch direkt am Fenster.
    Ansonsten gab es so gut wie keine Dekoration, was den Raum überraschend angenehm machte, dachte Venette. Sie konnte sich frei bewegen ohne Angst zu haben, gegen irgendwas gegen zu laufen. Ihr Bruder setzte sich in die Ecke neben dem Fenster. Die Sofas waren ausgestattet mit rotem Bezug, passend zu Calpheon.
    Venette aber verschwand erstmal in einen weiteren, ihrer Meinung nach zu großem Raum auf der gleichen Ebene. Die Küche, wo sich zum Glück gerade niemand aufhielt. Etliche, trockene Kräuter hingen von der Wand, es gab mehrere Feuerstellen und Besteck im Übermaß. Gerade brauchte die Schwarzhaarige aber nicht viel.
    Flink mischte sie die Teemischung in eine Tasse, und fügte etwas von dem Liebestrank hinzu. Die Warnung der Kräuterhexe kam ihr wieder in den Sinn: 'Bitte misch auf keinen Fall beides zusammen, das könnte zum Tod führen.' Venette grinste. Sie achtete darauf, dass es nur sehr wenig von dem Liebestrank sein wird, doch sie wollte unbedingt die Wirkung sehen. Eine zweite Tasse wurde nur mit der Teemischung gefüllt. Anschließend erhitzte sie sich nur noch Wasser an einer der Feuerstellen und ihre beiden Tassen waren bereit. Mit den zwei Tassen in jeder Hand, links mit der Liebestrank Mischung, schlenderte sie rüber zu Karazin.
    Sie stellte ihm die Tasse hin und lächelte ihn an. Ihr Bruder schaute hinauf von seinem Buch, in welches er Auffälligkeiten jeder Art reinschrieb. Ein seltsames Verhalten, fand Venette. Er schrieb jedes 'ungewöhnliches' Detail seines Tages präzise auf. In ihrem Beruf aber gab es nur ungewöhnliche Details.
    Karazin hob die Braue und schaute auf den Tee, dann auf seine Schwester.
    "Was ist mit diesem Tee?", fragte er mit einer Stimme, die nur so vor Skepsis triefte.
    "Es ist eine feurige Mischung."
    Venette demonstrierte es indem sie selber von ihrem nicht 'vergifteten' Tee trank. Sofort merkte sie, wie ihr Herz schneller schlug und ihre Wangen sich röteten. Ihr wurde sehr schnell sehr heiß.
    "Im Sommer?", horchte Karazin weiter aus.
    "Du musst ihn probieren, es fühlt sich an, als trinkst du pure Energie. Das Feuer zieht sich durch deinen ganzen Körper, aber ohne den Schmerz."
    Die Schwarzhaarige konnte sehen, dass Karazin ihr nicht ganz vertraute in der Sache. Wieso sollte er das auch? Es wäre nicht das erste Mal, dass Venette ihn über den Tisch zieht. Doch Karazin wusste auch, er würde sowieso nicht davonkommen. Früher oder später wird er unfreiwilliger Probant für die Versuche Venettes.
    Er ergab sich seinem Schicksal und trank etwas von dem Tee. Venette konnte sehen, dass ihm der Tee ganz gut gefiel, trotz der Wärme. Kurz lächelte er und trank noch ein paar Schlücke. Es passierte...nichts auffälliges. Fast hätte Venette enttäuscht geseufzt, aber dann wäre ihre List aufgefallen.
    "Und? Ich sagte, er ist gut.", spielte sie deshalb weiter die Unschuldige.
    "Ja, er ist..."
    Nun musste Venette sich zusammenreißen, nicht laut loszulachen. Ihr Bruder riss kurz die Augen auf, dann sah er an Venette auf und ab. Sichtlich hatte er Mühe, sich zusammenzureißen. Er leckte sich die Lippen und erhob sich mit schneller Atmung. Sein Gesichtsausdruck war irgendwo zwischen Verzweiflung, Wut und Lust während er auf seine Schwester hinab schaute.
    "Du verfluchte Hexe.", murmelte er heiser vor sich hin und rannte zu den Treppen nach oben, wo das Gästezimmer für uns war.
    Venette blieb sitzen und lachte kopfschüttelnd, bis sie es oben krachen hörte. Gemütlich erhob sie sich, folgte den Schritten ihres Bruders nach oben in einen langen Gang voller Türen. Die erste Tür rechts, dort war das Zimmer von Karazin. Vorsichtig öffnete sie die Tür und fand ihren Bruder auf dem Boden, ohnmächtig.
    Sie hockte sich neben ihn und fühlte seinen Puls. Er lebte noch und atmete weiter, aber sein Herz raste wie verrückt. Weiter fiel ihr auf, dass er dabei war, sich zu entkleiden. Die Kräuterhexe hat nicht gelogen. Der Trank ist potent. Nun aber musste Venette arbeiten und so seufzte sie. Ihr Bruder war so schwer wie er groß ist. Nur mit Müh und Not schaffte sie es, den starken Mann auf sein Bett zu hieven. Als Venette es endlich geschafft hat, atmete sie schwer und schaute zur Tür, in der die lange Elfe mit den roten Augen stand. Sie grinste mit ihren zu scharfen Reißzähnen und der Schwarzhaarigen lief ein Schauer über den Rücken.
    "Ist er deinem Charme verfallen, meine schöne Venette? Ich höre sein Herz bald bis hierhin rasen."

















    174 mal gelesen