Zukunft

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  • „Vex, du musst aufstehen.", flüsterte die unendlich angenehme Stimme in mein Ohr.
    Ich öffnete die Augen und musste mich nicht lange an irgendeine Helligkeit gewöhnen, noch immer lag ich in dem Bett in Linwes und Hulons Versteck. Licht gab es hier nur spärlich. Doch meine Augen sorgten für einen Ausgleich und alles legte sich in einen grünen Schimmer, der mir genug Sicht in der Dunkelheit gewährte. Neben mir saß Aurelia auf dem Bett und lächelte mich sanft an.
    „Linwe und Hulon sind im Tischraum. Sie warten darauf, dass du wach wirst."
    Mein Blick fiel wieder auf Aurelia, die Elfe so ewig schön, ich fühlte mich unwürdig sie mehr als nur wenige Momente anzusehen. Also stand ich auf und spürte immer noch die Müdigkeit in jeder Faser meines Körpers. Es waren nur drei Schritte bis zum Vorhang, welcher den Tischraum von meinem Zimmer trennte und so stand ich schnell bei den anderen. Sowohl Linwe und Hulon starrten mich an, bis Linwe lächelte und die Stille brach:
    „Du warst lange weg, aber du siehst schon viel besser aus."
    Vorsichtig nickte ich ihr zu und stellte mich an den Tisch. Sie hatten viele Fragen und haben bisher damit gewartet, doch jetzt war ich bereit sie zu beantworten.
    „Fragt.", drängte ich, denn wollte ich es hinter mich bringen.
    „Deine Augen... Siehst du damit noch etwas?", begann Hulon.
    „Ja, besser noch als zuvor."
    Mein Blick fiel auf Aurelia, welche die Karte auf dem Tisch analysierte.
    „Vex, wie gut geht es dir wirklich?", fragte Linwe.
    Ich sah die Sorge in ihrem Blick, und ich bemerkte, sie schaute dahin wo Aurelia steht. Dahin, wo ich hinstarrte, unbewusst.
    „Das kann ich dir nicht sagen. Ich sortiere noch meine Gefühle.", antwortete ich ausweichend.
    Die beiden wechselten einen besorgten Blick, seufzte dann und Hulon schüttelte den Kopf.
    „Eine letzte Frage: Hat Eloen was von ihren... Reiseplänen erzählt?", kam es wieder von Hulon.
    „Nein."
    „Dann ist es entschieden, wir müssen uns ein neues Versteck suchen."
    Verwirrt schaute ich Hulon, welcher immer noch den zersausten Bart trug und meinen Blick eisern erwiderte.
    „Vielleicht vertraust du Eloen, aber wir nicht. Wir dürfen nichts riskieren, Kamasilvia darf nicht weiter von einem Tyrann regiert werden. Wir sind auf bestem Wege dafür zu sorgen."
    Mein Blick traf den von Linwe. Sie zeigte die selbe Entschlossenheit wie Hulon. Für sie war Eloen keine Verbündete mehr. Sie winkte mich zu sich und begann den Aufstieg nach oben, raus aus dem kalten Versteck.
    „Geh, ich packe alles nötige ein.", sagte Hulon in einem Ton, der keine Widerworte duldete.
    So folgte ich Linwe bis nach oben, raus in die Sonne, welche mich sofort blendete. Es dauerte lang, bis meine Augen sich an die plötzliche Helligkeit wieder gewöhnt haben. Erst dann konnte ich mich zu Linwe an die Klippe stellen und mit ihr das endlose Meer bestaunen. Himmlisch blaues Wasser so weit das Auge reichte.
    „Vex, wusstest du, dass Hulon ein Sohn hat?", begann sie.
    Überrascht schossen meine Augenbrauen in die Höhe und mein Blick ging auf Linwe, sie aber betrachtete nur das Meer. Ein schwaches Lächeln lag auf ihren Lippen. Aurelia stand direkt neben ihr. Sie sah traurig aus. Ich wusste nicht, was mich mehr erstaunt: Dass Hulon ein Sohn hat oder dass Linwe mir so etwas erzählt. So schwieg ich, auf eine Erklärung wartend, aber Linwe ließ sich erst einige Momente Zeit.

    „Sein Name ist Xenvalon. Er kennt seinen Vater nicht einmal. Momentan lebt er in Grána, bei der Familie Erzanodd."
    „Die Verzaubererfamilie?"

    „Genau die. Da sie für die Ganelle Waffen und Rüstung herstellen und verzaubern, sind sie ein essentieller Teil im Krieg gewesen."
    „Wieso erzählst du mir das?"
    „Vex, Eloen ist keine Person, die im Frieden aufgeht. Sie ist die geborene Waffe und sie tut alles um Chaos aufrecht zu erhalten, und sie tut alles um jeden umzubringen den sie als Feind erkennt."
    Jetzt wusste ich worauf Linwe hinaus wollte und ich schüttelte sofort den Kopf als sie meinen Blick endlich erwiderte.
    „Ihr wollt sie töten. Sie ist nicht der Feind, Linwe!"
    „Sie ist der Feind ein stabilen Zukunft von Kamasilvia. Eloen ist eine tollwütige Bestie mit der Gerissenheit und Intelligenz eines erfahrenen Kommandanten, Vex! Du weißt es selbst, das spüre ich."
    Linwe legte ihre Hand auf meine Schulter und ich spürte, wie mein Widerstand starb.
    „Nein, Eloen hat uns zusammengeführt, Vex. Sie ist kein Feind. Sie hat dich gerettet!", protestierte Aurelia.

    „Vex?", fragte Linwe und folgte meinem Blick nach links, wo Aurelia stand. Natürlich konnte sie sie nicht sehen und hob besorgt die Augenbrauen.
    „Ich muss darüber nachdenken.", flüsterte ich.
    „Natürlich. Noch etwas: Ich bin sehr froh, dass du wieder da bist."
    Mein Blick ging wieder in die weite Ferne. Diese Worte entlockten mir zwar ein Lächeln, aber wusste ich nicht, ob ich froh über meine Rückkehr bin.

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