Von schicken Schwertern und Drachen

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  • „Lohsa! Lohsa, verflucht! Lass das Ding fallen, wir müssen hier weg!"
    Mein Arm steckte tief in einem ausgehüllten Baumstumpf und ich konnte die rauen Kanten des Kristalls spüren, welcher darin versteckt war. Mir fehlten jedoch noch wenige Millimeter, so versuchte ich den Kristall mit den Fingerspitzen in meine Richtung zu drehen. Währenddessen hallten die Schritte vieler unfreundliche Mansha durch den Wald südwestlich von Calpheon-Stadt.
    „Ich habe ihn fast, Karazin! Gib mir einen Moment!", erwiderte ich.
    Aber Karazin hörte nicht auf mich, er zog an meinem freien Arm, wogegen ich mich vehement wehrte. In der letzten Sekunde konnte ich den Kristall fassen und aus dem Stumpf ziehen. Sofort zog Karazin mich mit sich und wir rannten durch das Unterholz nach oben, weiter in das Gebirge, welches Kamasilvia und Calpheon voneinander trennt. Zum Glück wussten die einheimischen Mansha nicht genau, wo wir uns befanden, so hingen wir sie schnell ab. Trotz meiner allgemein guten Kondition atmete ich schwer und ließ mich auf einen der Felsen nieder. Wir haben es weit nach oben geschafft und so konnten wir über große Teile des Waldes blicken, welcher strahlend grün uns entgegen lächelte. Die Sonne tat dem Wald gleich und sengte erbarmungslos auf uns nieder, doch noch war es einigermaßen ertragbar. Der Hochsommer hat noch nicht begonnen und so wurde ich noch nicht geröstet.
    „Beim nächsten Mal laufe ich ohne dich los!", fluchte Karazin.
    Ich lächelte dem großen Mann entgegen. Seine blonden Haare hielt er an den Seiten wie hinten kurz, den oberen Teil hat er zu einem kurzen Zopf zusammengebunden. Sein Gesicht war markant mit einem starken Kiefer und seine grünen Augen mussten das Produkt einer Mischung aus Calpheoner und Hasorianer sein. Wie ich hatte er einen athletischen Körperbau und scheute sich nicht davor, den in enger Kleidung zu präsentieren.
    „Du weißt, dass meine Waffe nur eine halbe ist, wenn der Kristall fehlt!", erwiderte ich und nahm meine Waffe von meinem Rücken.
    Ein feines Stück schmiederischer und magischer Meisterleistung. Vorne ein Schwert mit kristalliner Klinge, ein schönes blaugrün, dahinter eine Flinte, nur deutlich besser. Die Flinte funktionierte ganz ohne Schießpulver. Nur Mithilfe des magischen Kristalls konnte sie schießen. Den Kristall setzte ich in den Sockel vor dem Griff wieder ein und kurz leuchteten die magischen Symbole, eingebaut in die Gravuren der Flinte, auf.
    „Mir ist ein Rätsel wie du an eine solche Waffe gekommen bist. Wie funktioniert sie überhaupt?", wollte Karazin wissen und setzte sich neben mich.
    Ich liebte es, das zu erklären und holte sofort tief Luft.
    „Also, der Kristall selbst funktioniert in dem Sinne nur als Leiter meiner magischen Energie. Er selbst hat keine magische Energie gespeichert. Sobald ich aber das Schwert in der Hand halte...", ich hielt ihm den Griff hin, auf welchem ebenfalls magische Gravuren eingearbeitet worden. "...kann ich magische Energie in die Waffe leiten, welche im Schießrohr gebündelt und als Schuss abgegeben wird."
    „Ich dachte, du kannst keine Magie wirken."
    „Kann ich auch nicht, nicht ohne Hilfe. Dafür wurde dieser Kristall geschaffen."
    Karazin betrachtete meine Waffe genau und nickte fasziniert.
    „Beeindruckend.", murmelte er und fischte seine lederne Wasserflasche aus seinem Rucksack.
    „Nicht wahr? Deshalb verstecke ich sie auch gut in Städten."
    „Verständlich."
    Er bot mir sein Wasser an und ich nahm einen tiefen Schluck. Schweiß lief mir die Stirn hinunter und ich schob meine goldenen Haare wieder zur Seite. Von hier aus konnte man sogar die prächtige Stadt Calpheons sehen und ich empfand sofort das Verlangen, zu ihr zu reisen. Aber mein Abenteuer war noch nicht zu Ende, so erhob ich mich wieder und gab Karazin seine Flasche zurück. Meine Waffe festigte ich an meinem Rücken.
    „Komm, wir sind noch nicht da. Es gibt keine Zeit zu verschwenden."
    Karazin seufzte müde aber erhob sich.
    „Du kommst aber auch nie zur Ruhe. Der Altar der Ausbildung läuft sicherlich nicht davon."
    „Oh, das weißt du nicht. Es sind komische Zeiten! Ein Drache könnte alles niedermachen. Ich habe schon einmal einen gesehen."
    Zum ersten Mal konnte ich Karazin überraschen, aber hielt er sich erstmal alle Fragen zurück während wir den Aufstieg in das Gebirge begannen. Erst als wir einen mehr oder weniger ebenen Weg nach oben fanden und nicht weiter die Felsen hochklettern mussten, sprach er wieder.
    „Hat er dich gesehen?"
    „Oh nein, nein, Elion oder Aalh oder Silvia sei Dank. Wen auch immer du verehrst. Wenn er mich gesehen hätte, wäre ich jetzt Drachenfutter."
    „Wo hast du ihn getroffen?"
    „In der Wüste Valencias. Er war gewaltig, groß wie zwei Häuser und zehn Mal so lang! Aber das war nicht alles, er konnte den Sand nicht nur aufwirbeln sondern kontrollieren! Er beherrschte Magie!"
    „Er hat dich in der Wüste nicht gesehen?"
    Ich lachte und schüttelte den Kopf. Natürlich störte ihn das am meisten!
    „Nein, ich habe mich halb hinter einem Hügel versteckt und mich so tief in den Sand vergraben wie ich nur konnte. Beinahe wäre ich an einem Hitzeschock gestorben, so lange lag ich still da. Am schlimmsten aber war der Sand, der überall in meiner Kleidung, in meinem Essen und sogar in meinem Wasser steckte! Das ganze Abenteuer lang wurde ich ihn nicht los."
    Gegen Abend hin konnten wir endlich eine 'Oase' finden. Ein winziger See auf einer flachen Ebene voller grün mit genug Bäumen, damit man Schutz vor der Sonne hatte. Auch Hirsche ruhten sich hier aus. Als wir auf sie zukamen, entfernten sie sich, aber nicht weit weg. Anscheinend hatten auch sie vor, sich hier auszuruhen. Bevor ich irgendwas anderes tat, wusch ich mein Gesicht und nahm meine Stiefel ab um meine Füße abzukühlen. Karazin hingegen machte sich sofort an sein Zelt ran und aß dabei trockenes Fleisch. Seufzend legte ich mich auf den Rücken und genoss das Rauschen des Windes, welcher ständig hier oben in den Bergen wehte.
    „Du bist die erste Abenteuerin die ich treffe, die einem Drachen begegnet ist. Das Glück ist dir anscheinend hold."
    „Lady Fortuna lächelt hinab auf mich. Ich bin ihr Lieblingskind, glaube ich."
    Karazin setzte sich neben mich und lächelte zufrieden wenn auch erschöpft. Mit mir genoss er die Geräusche der Natur und kühlte sich im See ab.
    „Momente wie diese machen das ganze Abenteurerdasein magisch.", murmelte ich und schloss meine Augen.

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