Eins

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  • Jeder Schritt machte diese Ewigkeit länger für mich.
    Ich wusste nicht mehr, wie lang ich durch diese traumhaften Ebenen wanderte, doch das spielte längst keine Rolle mehr. Um mich herum gab es nur grüne Felder, bunte Bäume ein blauer Himmel und strahlende Sonne. Ewig wanderte ich und wurde nie müde, nie hungrig...aber die Gefühle verblieben. Manchmal konnte ich Linwe sehen, wie sie durch die Felder pirschte, aber erreichen konnte ich sie. Ab und zu kam auch Hulon vorbei, erzählte etwas von einem Baum, aber auch er blieb stets außer Reichweite. Einmal erschien sogar Eloen, aber die tat überhaupt nichts. Sie stand nur da und starrte mich nur an bis ich in ihre Nähe kam. Dann verschwand auch sie. Oft legte ich mich hin und versuchte zu schlafen, jedes Mal erfolglos. Und immer wenn ich auf meine Hände schaute, waren sie mit Blut befleckt.
    „Viele fühlen so. Bemitleide dich nicht selbst. Das ist lächerlich.", kam es aus meinen Lippen, fühlte sich aber an, als spreche jemand anderes mit mir.
    Ich fiel auf die Knie und sah in den ewigblauen Himmel. Tränen flossen durch mein Gesicht und fielen hinab in das grüne Gras. Zu meiner Überraschung berührte mich eine Hand sanft im Gesicht. Erschrocken suchte ich nach der Quelle, dem Besitzer der Hand. Vor mir stand eine Elfe schöner als das Land, durch das ich mich bewegte.
    Unwürdig fühlte ich mich, unwürdig sie auch nur anzusehen, so senkte ich meinen Kopf und starrte auf den Boden. Ihre nackten Füße kamen in Sicht und sie kniete sich runter zu mir um mein Kinn vorsichtig anzuheben.
    „Du bist noch nicht fertig, Vexilion. Lange genug hast du dich ausgeruht."
    Sie half mir hoch auf die Beine und nahm meine Hand. Mit mir im Schlepptau spazierte sie langsam voran, und zum ersten Mal veränderte sich die Umgebung. Vor uns lag eine Klippe, dahinter endloses Meer. Wie benommen ließ ich mich von der schönen Elfe ziehen bis wir genau vor dem Ende der Klippe standen. Sie drehte sich zu mir und gab mir einen Kuss auf die Stirn, dann schubste sie mich hinunter. Es fühlte sich an, als fliege ich für Stunden bis ich das eiskalte Wasser erreichte. Immer weiter sank ich in die Tiefe, unglaublicher Schmerz zog sich durch meinen Körper während ich nach Luft rang. Mein Verlangen nach Luft wurde schnell erfüllt und plötzlich befand ich mich wieder im Freiflug. Ich drehte mich um zu sehen, wo ich landen würde und stellte fest, ich befand mich höher als jeder Berg, so weit über der Erde, selbst Wälder sahen nur aus wie grüner Boden. Erneut dauerte dieser Flug eine Ewigkeit und ich schloss die Augen kurz bevor ich den Boden erreichte.

    Erneut erfüllte Schmerz meinen Körper, dann unglaublicher Durst und Hunger. Dieses Mal lag ich auf harten Boden und erhob ruckartig meinen Körper, schwer atmend. Mein Mund war trocken, mein Körper schwer und meine Gedanken ungreifbar. Ich starrte direkt in rote, angsteinflößende Augen. Die Besitzerin dieser Augen grinste mich zahnig an und ich wich instinktiv zurück.
    „Sieh mal einer an! Ich habe gedacht, du willst noch etwas länger schlafen!", sagte die blonde Elfe...Eloen, kichernd.
    Direkt hinter Eloen befand sich die wunderschöne Elfe mit den weißen Haaren und goldenen Augen. Sie legte den Kopf schief, lächelte...und verschwand mit dem nächsten Blinzeln. Verwirrt sprang ich auf und sah mich um, beinahe fiel ich wieder um, doch Eloen stützte mich sofort. Wir waren mitten in kamasilvischen Wäldern, nur wo, das konnte ich nicht sagen. Um uns herum wurde ein seltsamer Zirkel mit magischen Symbolen am Rand gezeichnet.
    „Wa...", versuchte ich sprechen, aber meine Kehle konnte nicht trockener sein.
    Eloen überreichte mir grinsend eine lederne Wasserflasche, welche ich gierig leerte. Mein Blick fiel auf meine Hände und da war kein Blut. Es fühlte sich echt an.
    „Ich...ich lebe.", flüsterte ich.
    „Ganz recht. Du lebst und siehst sehr gut aus, wenn ich das so sagen darf. Mysteriös und mächtig!"
    Eloen gab mir doch tatsächlich einen kleinen Spiegel und zuerst starrte sie unverständnisvoll an, worauf sie mit den Achseln zuckte.
    „Ich achte eben auf mich, da brauche ich einen Spiegel.", kommentierte sie nur.
    Ich sah in den Spiegel und konnte keine Pupillen in meinen leuchtend grünen Augen sehen. Erschrocken taumelte ich zurück, dann aber sah ich nochmal hinein. Dieses Mal war die wunderschöne Elfe im Spiegel.
    „Wir sind jetzt eins, Vexilion. Du und ich."
    Ihre Stimme echoete durch meinen Kopf und ich gab perplex den Spiegel zurück an Eloen.
    „Was hast du getan?", wollte ich wissen.
    „Ich habe dich mit Energie versorgt, Vexilion. Irgendwann konnte ich deinen Körper bergen und stellte fest, dein kräftiges Herz hat noch nicht aufgegeben. Linwe, Hulon und ich haben nach Wegen gesucht, dich zurückzuholen."
    „Wo sind die anderen?"
    Da lächelte Eloen wie ein Schaf und wackelte mit dem Kopf.
    „Naja, du warst lange weg, es ist viel passiert. Sie sind nicht tot, glaube ich, aber sie hatten keine Zeit mehr für dich."
    „Und du? Wieso hattest du Zeit für mich?"
    „Weil ich es liebe, eine Heldin zu sein."
    An meiner Seite erschien wieder die schöne Elfe und legte eine Hand auf meine Schulter, doch spürte ich nichts.
    „Sei vorsichtig in ihrer Nähe, Vexilion.", warnte sie und verschwand wieder.
    Mein Blick ging über Eloen und sie sah eigentlich komplett harmlos aus, nicht mal bewaffnet war sie. Sie trug lediglich ein blutrotes, auf ihren Körper zugeschnittes Kleid mit kurzem Rock und keinen Ärmeln und ein paar schwarze Stoffschuhe. Aber mein Geist musste mich nicht mal warnen damit ich wusste, dass ich eine blutlüsterne Waffe in Form einer Elfe vor mir habe. Immerhin habe ich sie bereits kämpfen sehen.

    „Komm, Vex, ich erkläre dir alles, was passiert ist während wir zu einem schönen Plätzchen wandern!", bot Eloen an und streckte mir die Hand hin.
    Seltsam zu ihr hingezogen legte ich meine Hand automatisch in ihre und folgte ihr durch die Wälder während sie begann zu erzählen.

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