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  • "Ich hab' es! Ich hab' es!", rief die aufgeregte Seefahrerin und hielt einen Krug aus Stein in die Höhe.
    Auf einer kleinen Insel irgendwo mitten im Rossmeer gab es mehr Aufregung als man erwarten würde. Diese Insel, durchzogen von viel Grün aber auch steinigen Höhlen, diente nämlich als Heimat für feindselige Otter bewaffnet mit Speeren und Schwertern. Das hielt die junge Seefahrerin und ersten Maat aber nicht davon auf, den Kapitän der 'Sturmwind' zu überzeugen, dort zu halten und nach diesem Krug voller Sand zu suchen. Mit zwei anderen Seefahrern, ebenfalls bewaffnet, nur mit Säbeln statt Speeren, suchte sie also nach diesem kleinen Krug. Leider nahmen die feindseligen Otter es überhaupt nicht gut auf, dass sie etwas von dieser Insel nehmen, denn nur wenige Sekunden nach dem Fund flogen die Speere.

    "Ich werd' nicht mehr! Zum Schiff!", befahl die Seefahrerin deshalb.
    Alle drei rannten wie die Teufel durch das dichte Grün, gefolgt von fliegenden Speeren und sprintenden Ottern.
    "Wie laufen die überhaupt so schnell? Die haben doch kaum Beine!", fluchte der größere Mann von den beiden Begleitern der Seefahrerin.

    "Frag nicht, Rolof, lauf einfach!", antwortete der kleinere der zwei Männer.
    Die Seefahrerin lachte bei dieser wilden Hetzjagd und ihre zwei Aufpasser mussten unweigerlich mitlächeln. So war das Leben auf dem Schiff der Sturmwind, abenteuerlich, immer höchst gefährlich aber nie und nimmer langweilig.
    Zu dritt kamen sie aus dem Wildleben gehetzt, direkt an eine hohe Klippe am Rande der Insel. Die prächtige Sturmwind lag nicht weit von der Insel entfernt. Der Seefahrerin war die Höhe und die Steine, die unten im Wasser auf sie warteten überhaupt nicht geheuer, doch das Gefluche der Otter hinter ihr machten ihr mächtig Druck.
    "Also schön, Männer, Anlauf und dann so weit wie möglich springen.", sagte sie grinsend.
    "Das überleben wir nicht.", murmelte der kleinere der Männer.
    Rolof hingegen nahm der Seefahrerin den Krug ab. Die starrte ihn eine Sekunde irritiert an, doch verstand sie schnell. Rolof war deutlich größer und stärker gebaut, er konnte mit dem schweren Steinkrug ohne Zweifel weiter springen. Zeit zum nachdenken blieb ohnehin nicht mehr, denn sauste ein weiterer Speer dicht an ihrem meerblauen Haar vorbei und nahm sogar einige Strähnen mit. 'Leg dich nie mit wütenden Ottern an', machte sie sich die mentale Notiz, nahm Anlauf und sprang so weit sie nur konnte. Im Flug sah sie ihr ganzes Leben an ihr vorbeiziehen während der Wind ihre Ohren taub machte. Als sie das Wasser dann berührte und rasant untertauchte, verpasste die plötzliche Kälte ihr einen kurzen Schock. Doch diese Seefahrerin war daran gewöhnt und ließ sich nicht lange irritieren. Mit kräftigen Bewegungen schwamm sie zur Oberfläche und tauchte auf, lokalisierte das Schiff und machte sich auf den Weg dahin. Die anderen beiden haben es auch geschafft und kamen zeitgleich mit ihr an der Sturmwind an, wo bereits eine Leiter auf sie wartete. Tropfend nass standen sie also auf dem Deck und während die Seefahrerin ihre langen Haare auswringte, grinste sie den Kapitän triumphant an.
    "Das soll es sein? Der erste Hinweis auf den Verbleib von Jax?", fragte der Kapitän skeptisch.
    Der Kapitän der Sturmwind war ein Bär von einem Mann: Groß, kräftig gebaut, eine Respekt einflößende Aura und ein hartes Gesicht. Die Seefahrerin hielt ihn aber für einen gut aussehenden Mann, besonders in seinem Alter. Sein voller, schwarzer Bart passte perfekt zu seinem markanten Gesicht, den wilden, halblangen Haare und den intensiven grünen Augen.
    "Ja! Glaube ich jedenfalls. Sehen wir ja dann, wenn wir es öffnen, nicht wahr?", erwiderte sie und nahm Rolof den Krug wieder ab. "Danke Großer."
    Die ganze Crew der Sturmwind wartete nun auf die Enthüllung, aber die Seefahrerin hatte Schwierigkeiten damit, den Krug überhaupt zu öffnen. Sie ziehte, drehte, zerrte und drückte auf den Deckel mit der runden Kugel, aber es bewegte sich nichts.
    "Was bei Vell...", fluchte die Seefahrerin murmelnd.
    Verzweifelt versuchte sie es mit den Zähnen, merkte aber schnell, dass sie dabei kaputt gehen und ließ das schön bleiben.
    "Lass mich ma', Kleine.", meldete sich Rolof dann.
    Selbstverständlich blieb Rolof auch erfolglos, ganz zur Zufriedenheit der Seefahrerin. Er wusste genau, dass sie es nicht mochte, 'Kleine' genannt zu werden.
    "Was jetzt?", kam es vom Kapitän.
    "Jetzt, Kapitän Renor, müssen wir jemanden finden, der diese komischen Zeichen auf dem Krug entziffern kann.", grübelte die Seefahrerin.
    Ihr ist das bereits vorher schon aufgefallen, dass auf dem Krug irgendwelche seltsamen Symbole eingeritzt worden waren, doch hielt sie das bis eben für unbedeutend. So etwas hatte sie Jax nicht zugemutet, doch anscheinend wollte er seine Spuren gut verschlüsseln. Kapitän Renor seufzte und rieb sich durch die Augen.
    "Gut, aber zuerst fahren wir unsere Patrouillenroute ab. Anker lichten! Wir fahren los!", brüllte er dann Befehle und die Crew setzte sich in Bewegung. "Ach, und Kaleenah?"
    Gerade wollte die Seefahrerin, Kaleenah, sich verziehen und vor der Arbeit drücken, doch damit kam sie wohl nicht durch.
    "Ja, Kapitän?"
    "Du musst noch die ganzen Briefe der Epheria Marine beantworten und unseren Bestand überprüfen.", erinnerte er sie in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete.
    "Ja, Kapitän.", ergab die Seefahrerin sich ihrem Schicksal.
    Sie war eine der wenigen, die lesen und schreiben konnten und so fielen die langweiligsten Aufgaben in ihr Aufgabenbereich.
    "Der Krug bleibt so lange bei mir, nicht, dass du abgelenkt wirst.", fügte der Kapitän hinzu.
    "Ja, Kapitän...", murmelte sie unzufrieden, stellte den Krug ab und begab sich unter Deck.
    Allgemein jedoch erreichte ihre Stimmung ein neues Hoch. Nach all den Wochen hat sie endlich was gefunden, was die Jagd auf Jax beginnen könnte! Ein Lichtstrahl in einer dunklen Höhle.















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