Von Rhutum und Frauen

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  • Kapitel 4:
    Von Hüten und Rhutum und Frauen


    Die Sonne gab ihr bestes, meinem Gefährten den Tag zu vermiesen indem sie ihn mit tödlich heißen Hitzewellen röstete. Zumal er sich noch immer weigerte einen Hut zu tragen um nicht geblendet zu werden. Immer wieder schnaufte er gereizt und hielt die Hand über die Augen um etwas sehen zu können. Immer wenn er das tat, drehte ich meinen Hut mit der breiten Krempe und grinste schadenfroh. Das verschlechterte seine Laune nur weiter, doch amüsierte es mich umso mehr.

    "Du brauchst einen Hut, mein blasser Elf.", wiederholte ich mich erneut nur um ihn ein wenig zu necken.
    "Ich brauche überhaupt nichts.", zischte er zurück. Selbstverständlich entlockte mir dies ein schwaches Kichern.
    Auf dem Weg nach Calpheon war es relativ ruhig bisher. Stur folgten wir dem Pfad direkt neben dem hier noch sehr flachen Demifluss und somit einen Weg, den viele Händler auch nahmen. Ein paar Händlern sind wir schon begegnet, aber die meisten haben es so eilig, dass sie nicht mal grüßen. Lediglich beobachteten uns ab und zu ein paar dieser scheußlichen Goblins aus der Ferne, doch wussten sie es besser, als zwei Reisende zu überfallen. Vermutlich hatten sie bereits einige schlechte Erfahrungen mit einzelnen Abenteurern gemacht. Erneut blickte ich nach hinten und betrachtete die prächtige Burg Delphe, welche scheinbar ewig mit diesen Harpyien kämpft, wenn es mittlerweile auch deutlich weniger geworden ist. Vor uns verdichtete sich der Wald zunehmend und ich wusste, ab da wird es gefährlicher werden. Nicht wenige Banditen streifen durch diese Teile von Calpheon.
    "Was denkst du von den neuen Entdeckungen der toten Banditen? Angeblich soll es jemand auf sie abgesehen haben.", versuchte ich eine Konversation zu starten.
    "Es wurde langsam auch Zeit, dass jemand diese ehrlosen Barbaren zur Hölle schickt."
    "Manche der Banditenbande sind einfache Bauer gewesen. Einfache Bauern die ihre Familie nicht mehr ernähren konnten weil sie auf irgendeine Art und Weise ausgenommen werden."
    "Deshalb überfallen sie unbeteiligte Händler oder unschuldige Reisende." Mein Gefährte spuckte auf den Boden. "Macht sie nicht weniger zu Abschaum."
    "Da hat jemand wenig übrig für die Räuber."
    Das ließ er unkommentiert und blinzelte wieder irritiert aufgrund der Sonnenstrahlen, die ihm direkt in die kaltblauen Augen strahlten.
    "Noch knapp vier Tage und wir kommen in der Stadt an. Du weißt, was du zu tun hast?"
    "Bettler finden, Mörder erwähnen und zu dir zurück kommen. Allerdings verstehe ich nicht, wieso du zuerst einen Dorfalchemisten besuchen willst bevor du den Inquisitor triffst."
    "Weil er uns in Zukunft sehr helfen könnte. Zumal ich auf eine sichere Einkommensquelle hoffe. Als Absicherung, sozusagen."
    "Klar..."
    Schweigen machte sich breit und lange blieb es auch leise. Nur die Geräusche der Waldtiere, welche verzweifelt versuchen sich zu paaren, hallten durch die Bäume. Es klang ein wenig wie in einer Schenke für das Arbeitervolk. Leider war das Arbeitervolk weniger melodisch und mehr vulgär was das Umwerben anging.
    "Glaubst du, bei den Rhutum gibt es Frauen? Ich habe noch nie eine weibliche Rhutum gesehen."
    Ungläubig sah mein großer Leibwächter mich an und öffnete sprachlos den Mund.
    "Ich meine, sie kommen doch nicht einfach aus der Erde. Sind sie vielleicht alle...zweigeschlechtig?"
    "Hätte ich mir nur einen normalen, eitlen und hochnäsigen Adligen gesucht...", murmelte mein Gefährte verzweifelt.
    "Du weißt es also auch nicht. Vielleicht schicke ich dich demnächst mal in die Bibliothek um das herauszufinden."
    "Eher trage ich dich zu den Rhutum damit du sie selbst fragen kannst."
    "Gerne darfst du mich auch jetzt tragen. Aber wie eine Prinzessin, nicht wie ein Sack Getreide."
    Er schüttelte lachend den Kopf und beschleunigte seinen Gang. Ich hielt natürlich mit und richtete wieder meinen Hut.
    "In Calpheon-Stadt besorgen wir dir einen Hut. Du brauchst einen Hut, mein blasser Elf."
    Erneut seufzte er nur leicht genervt, wusste es aber besser als mir zu widersprechen. Diesen Kampf habe ich gewonnen.


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