Haar

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Die Bürste strich in sanften Zügen durch das dunkle Haar, immer ein sorgsam geführter nach dem anderen. Einer dieser friedlichen Augenblicke,
    dieser Momente in denen sie glaubte noch irgendeinen Funken der Schwester aus jungen Jahren zu sehen und zu spüren.
    Vergangen war die dunkle Schminke um die Augen, der immer ein wenig zynische Blick aus diesen gewichen und das leicht spöttische Lächeln
    um den mit Metall geschmückten Mund verschwunden. Chloe fragte sich, wann Rileah beschlossen hatte die Welt und alles was zu dieser gehörte
    zu hassen oder lächerlich zu machen. Früher war sie doch anders gewesen; sanftmütiger, wissbegierig und lustig, bei Gott sie war so witzig
    gewesen und hatte sie immer zum Lachen gebracht.

    Aber Jahr um Jahr vergingen und je länger sie im Erwachsensein verweilten um so mehr verlor sich ihre Schwester in anderen Wesenszügen. Chloe
    erinnerte sich noch an bittere Tränen nachdem der erste Kunde das Bett mit Rileah geteilt hatte und an die Abscheu im Blick während sie sich
    wusch und wusch bis die Haut grässlich rot und wund gewesen war. Ja, sie erinnerte sich noch an die Zeiten in denen sie die Magie mäßig einsetzte,
    in denen sie nicht furchtbare Dinge für ihre Dienste mit dieser verlangte, sondern aus einer Güte heraus handelte. Aber all das war vergangen und
    vorbei. Rileah lebte ihr Leben als Hure mit einer Leidenschaft aus, dass einem übel werden konnte und ohne Hemmungen, ja sie ließ gar andere
    Frauen für sich arbeiten und nahm von diesen einen Teil des schwer verdienten Geldes und wehe ihnen, sie zahlten nicht.

    Manchmal erkannte Chloe das ihr gleiche Gesicht nicht mehr, wenn sie sich ansahen und doch gab es sie, diese wenigen Augenblicke, wie jenen
    jetzt. Friedlich, sanft und erinnernd an die tiefe Liebe, welche sie zum zweiten Ich verband. Wenn sie einfach nur da saßen in ihren Nachthemden
    auf ihrem Bett, das Feuer im Ofen knackte und die Welt außen vor war. Dann war da Rileah mit ihrem alten Lachen, ihren liebenswürdigen
    Maßregelungen und ihrem Witz.

    „Was siehst du mich so an?“ Die Frage kam mitten in die eigenen Gedanken hinein und entlockte Chloe eine gewisse Verlegenheit.

    „Ich denke an damals,“ antwortete sie dennoch wahrheitsgemäß und mit einem Lächeln.

    „Hab' ich dir das noch nicht ausgetrieben, wie mir scheint,“ es fehlte aber an der Rüge in der Stimmfarbe und im Blick. Rileah lächelte sogar:
    „Manchmal denke ich auch daran.“

    „Das ist schön,“ ein innerliches Aufatmen und die Hand verwoben sich mit der freien der Schwester.

    „Ja,“ war die knappe Antwort.

    120 mal gelesen

Kommentare 1

  • Wellenschlag -

    Die Zwei sind so spannend miteinander im RP und schön geschrieben wie immer.