Warnung

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  • Kapitel 3:
    Warnung




    Regentropfen plätscherten mit all der Gewalt, die sie aufbringen konnten, gegen die Scheibe. Langsam öffnete ich meine müden Augen und gewöhnte sie erst an das düstere Tageslicht von heute. Zuerst erhob ich meinen Oberkörper und inspizierte meine Umgebung: Ein großer, quadratischer Raum im blauen Ton. Eingerichtet wie das klassische Gasthauszimmer: Ein Nachttisch, ein großes Bett, eine Kommode und ein kleiner, runder Tisch mit zwei Stühlen. Mein Gefährte saß auf einem dieser Stühle und starrte aus dem vom Regen verzerrten Fenster hinaus auf die Straßen der Burgstadt. Gemütlich rieb ich mir durch die Augen und schob meine weinroten Haare aus dem Gesicht, dann gähnte ich und streckte mich.
    "Du warst aber nicht die ganze Nacht wach, oder?", fragte ich während ich die Decke beiseite schob um mich aus dem Bett zu quälen.
    "Nein, selbstverständlich nicht. Ohne Schlaf sinkt die Konzentration, und Konzentration ist was ich jetzt brauche."
    "So selbstverständlich ist das bei dir gar nicht.", murmelte ich vor mir hin während ich aus der Kommode meine Kleidung fischte: Ein weißes Leinenhemd, eine braune Reiterhose, festes Stiefelwerk aus grauem Leder und ein ledernes Korsett. Die Kleidung einer Reisenden die sich zu wehren weiß. Edle Kleidung kam immerhin schlecht an in den Gebieten von Banditen und Dieben. Oder besser gesagt kam sie zu gut an.
    "Was?", rief er durch den Raum und sah mich mit gehobener Braue an.
    "Ich sagte: Starr mich nicht an während ich mich umziehe."
    Er zuckte mit den Achseln und grinste schief, tat aber wie befohlen und richtete seinen Blick wieder auf das Fenster. Einmal umgezogen band ich mir auch den Gurt meines edlen Schwertes um die Hüfte. Das Schwert selbst war dünn und lang. Der Griff in schwarzes Leder gehüllt und die Parierstange mit einem aufwendigen Muster versehen. Keine gute Waffe wenn man unbemerkt bleiben wollte, aber bestand mein Gefährte darauf, eine ordentliche Waffe mitzunehmen auf die ich mich auch verlassen kann. Es bestand kein Zweifel darin, dass diese Waffe mir im Ernstfall gute Dienste leisten würde, doch könnte der Ernstfall auch durch sie erst entstehen. Ein zweischneidiges Schwert. Zuletzt zog ich mir nur noch die schmuddelige Robe über den Kopf und vervollständigte mein Outfit.
    Ich stellte mich neben ihn und starrte auch durch das Fenster auf die Marktstraße. Da bemühten sich viele der Händler darum, dass ihre Ware nicht zu nass wurde. Manche sahen aber auch so aus, als hätten sie keine Sorge dieser Welt und spazierten durch die Gegend als herrsche das schönste Wetter seit Jahrhunderten. Diese Personen belächelte und beneidete sie gleichzeitig.
    "Was auffälliges gesehen?", flüsterte ich.
    "Nein.", antwortete er kurz wie er es oft tat.
    "Dann schlage ich vor, du besorgst uns etwas zu essen, sowohl für jetzt wie auch für die anstehende Reise."
    Mein Gefährte sah mich kurz empört an, erhob sich dann aber und ging zur Tür. Bevor er die öffnete, überprüfte er nochmal den Raum als könnte jeden Moment ein Monster aus der Ecke kommen. Ich lächelte ihn so schamhaft wie es ging und winkte ihn dann fort. Er schloss die Tür hinter sich und bis auf das Geräusch der auf das Dach plätschernde Tropfen war es still. Um mir die Zeit zu vertreiben fischte ich mein Buch aus dem Reiserucksack und schlug die letzte Seite auf. Noch während ich durch die von mir zuletzt geschriebenen Zeilen las, bemerkte ich den Änderung des Windes in der Luft. Ein kurzer wie kühler Luftzug erfüllte den Raum, weshalb ich mich sofort von dem Stuhl erhob und eine Hand auf den Griff meines Schwertes legte. Direkt vor der Tür stand eine Gestalt mit einer schwarzen Maske. Er trug leichte Lederrüstung mit engem Stoff darunter, ein kurzes Schwert hielt er in der Hand, das andere hatte er auf dem Rücken. Kurzschwerter waren schon immer besser für den Kampf in engen Räumlichkeiten wie diesen geeignet.
    "Ich glaube, Ihr habt Euch bei der Tür geirrt.", sagte ich und zog langsam mein Schwert aus der Scheide.
    Genauestens prägte ich mir seine grauen Augen mit den tiefen Falten darunter so wie seine wilden, schwarzen Haare ein. Von der Körperstatur her ganz klar ein trainierter aber auch wendiger Mann. Er zögerte so wie ich auch, aber bewegte er sich bewusst zwischen Tür und Fenster. So schnitt er mir alle Fluchtwege ab.
    "Mein Gefährte wird jeden Moment zurückkehren.", drohte ich.
    Letztendlich ermutigte ihn das zum Angriff und mit einem großen Schritt stach er nach vorne. Ein Ausfallschritt nach außen bewahrte mich vor der Klinge und ein direkt darauffolgender Angriff in Form eines Hiebes gegen seine Rippen zwang ihn zum Rückzug. Nun war ich außer Reichweite seiner Klinge, doch er nicht außer Reichweite meines Langschwertes. Mit beiden Händen packte ich den Griff und schlug diagonal zu. So wie ich eben auch machte er einen Ausfallschritt nach außen, kam dabei aber gegen das Bett, weshalb ich die Klinge sofort drehte und waagerecht zuschlug. Er parierte hart mit einem Kurzschwert und drückte mit seinem gepanzerten Unterarm gegen seine eigene Klinge um meinem Angriff standzuhalten. Ich zog mein Schwert über seine Klinge, machte eine schnelle Drehung und schlug auf exakt gleiche Weise nochmal zu. Erneut war er gezwungen, hart zu parieren, landete aber aufgrund der Wucht mit dem Hintern auf dem Bett und verlor an Kraft. Er ließ sein Schwert los und legte sich ganz auf das Bett. Sein Schwert machte einen Flug durch das Zimmer und meine Klinge verfehlte ihn um Haaresbreite. Schnell kam er hoch und stach mit einem versteckten Messer zu, weshalb ich mein Schwert noch im Schwung fallen ließ und seinen Unterarm mit beiden Armen abwehrte indem ich sie Überkreuz gegen diesen schlug. In dem kleinen Kraftkampf drückte er mich nach hinten bis er wieder stehen konnte, zog dann sein zweites Schwert und zielte mit dem nächsten Schlag auf meinen Hals. Nur mit einem schnellen Sprung nach hinten rettete ich meine Kehle und meinen Bauch vor Messer und Schwert. Nun war ich unbewaffnet und er hatte direkt zwei Waffen, aber wieder zögerte er. Hinter mir befand sich die Tür und vorsichtig legte ich meine Hand auf den Knauf, drehte mich aber auf keinen Fall um. Als er sah, was ich vorhatte, stürmte er auf mich zu. Ich schlug die Tür auf und duckte mich dann. Sein Schwert rammte er in die Tür womit er sie gleichzeitig wieder zu donnerte. Sein Oberkörper befand sich über mir und bevor er auf die Idee kam, mich nun abzustechen, sprang ich mit der Schulter gegen seinen Bauch und entwaffnete ihn damit. Wir beide landeten auf dem Holzboden, nur lag er auf mir drauf. Er schlug zu, doch fing ich seine Faust mit der flachen Hand ab und hielt sie fest, mit der anderen Hand schlug ich ihm gegen die Kehle. Nach Luft ringend sprang er auf und machte wackelige Schritte nach hinten. Noch während ich mich erhob öffnete er das Fenster und setzte zur Flucht an. Die Tür hinter mir wurde aufgeschlagen und traf mich ungedämpft am Rücken. Mein Gefährte kam in den Raum und sah sich um.
    "Pass doch ein bisschen auf!", fluchte ich schwer atmend und hob mein Schwert vom Boden. "Er ist aus dem Fenster."
    Er vergeudete keine Luft an Worte und sprintete sofort wieder los. Ich hingegen blieb im Raum und betrachtete das Schwert in der Tür. Daran war eine Notiz gebunden, direkt am Knauf. Diese riss ich von der Kette und las, was drauf stand.
    Dies war eine Warnung.
    Grinsend steckte ich das Stück Papier ein und stellte mich an das Fenster um es wieder zu schließen. Jemand beobachtete uns also schon. Genau so wie dieser jemand uns fürchtet. Gut zu wissen.

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