Tauchgang

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  • Mein Gesang hallte durch den gefüllten Raum der Taverne voller angetrunken Arbeitern. Der Schankraum war ein einzelner, quadratischer Raum voller kleiner Tische und die dazugehörigen Stühle. Beinahe jeder Platz wurde von einem der Arbeiter einfacher Klasse besetzt. Es gab Schmiede, Schreiner, Wachmänner außer Dienst, Händler verschiedener Arten und noch etliche andere Professionen. Ein paar hörten mir lächelnd zu, oder musterten meinen tanzenden Körper. Ich bewegte mich mit gezielten Schritten zwischen den Tischen umher und baute hier und da Körperkontakt auf nur um mich sofort wieder zu lösen. Doch langsam verstummte die Welt und mein eigener Gesang. Ich spürte, wie ich meinen Mund weiter bewegte, wie die Worte meine Lippen verließen, aber ich hörte nichts mehr. Dunkelheit machte sich breit und statt in der Taverne stand ich in einem schwarzen Nebel.
    „Wieso hast du uns das angetan?! Wie soll ich nur meine Kinder ernähren?!", schrie eine wütende, weibliche Stimme von nirgendwo und überall.
    „Nie habe ich einem Menschen auch nur ein Haar gekrümmt. Ich hatte noch mein ganzes Leben vor mir. Wieso?", kam eine zweite Stimme eines Jungen dazu.
    Immer mehr Stimmen häuften sich und ich hörte auf zu singen und drückte mir die Ohren zu. Mit taumelnden Schritt bewegte ich mich voran während das Atmen mir schwer fiel. Die Stimmen tyrannisierten mich weiter und meine Brust zog sich zusammen.
    Eine Hand zog mich aus der Dunkelheit und ich blickte hinauf auf ein besorgtes Gesicht. Ein Mann mit rotbraunen Haaren, einem ungepflegten Bart und toxisch grünen Augen.
    „Gehen wir, Tess.", flüsterte er und zog mich Richtung Tür. „Entschuldigt. Der Auftritt heute Abend geht auf's Haus.", rief er dem Wirt zu.
    Draußen begrüßte mich die unangenehme Abendhitze des kommenden Sommers. Der Mann zog mich weiter durch die hellen Straßen der Burgstadt Heidel bis wir vor unserem winzigen Zimmer standen, welchen wir von einem Freund 'geliehen' bekommen haben.
    „Tut mir Leid, ich...", begann ich, aber er legte eine Hand auf meine Schulter.
    „Wir kriegen das schon hin.", ermutigte er mich mit seinem sorglosen, perfekten Lächeln.
    Er schloss die Tür des kleinen Zimmers auf und wartete, bis ich eingetreten war ehe er sie wieder zumachte. Dieses Zimmer hatte nicht viel da mehr auch nicht reinpasste: Zwei schmale Betten, zwei Holzhocker und einen kleinen Kamin an der Wand gegenüber der Tür. Die quadratische Form dieses Raumes könnte einen leicht beengen, doch machte mir das nicht allzuviel aus. Dem großen Mann hinter mir anscheinend schon, denn der murmelte unzufrieden als er beinahe wieder gegen den billigen Kronenleuchter stieß. Er machte sich schnell dran, das Feuer im Kamin zu entfachen während ich in gemütlichere Kleidung, bestehend aus einem schlichten Nachtkleid, schlüpfte.
    "Wir sollten vielleicht weiter reisen. Immerhin treten wir seit fast zwei Wochen hier in Heidel auf.", schlug der Mann vor.
    "Ja...Vielleicht. Gab es nicht ein oder zwei Anfragen aus Calpheon-Stadt? Wir können da hin, dann ins schöne Kamasilvia und von dort aus dann nach Drieghan."
    Er lachte leicht und schüttelte den Kopf während er sich wieder erhob. "Wir sind nicht mal aus Heidel und du verplanst bereits die nächsten Monate. Wir gehen erstmal nach Calpheon und von dort aus überlässt du die Weiterreise mir, ja?"
    Als ich mich auf mein Bett setzte, tat er mir gleich und setzte sich neben mich. Ich legte meine Hand in seine und er drückte sie fest.
    "Außerdem halten wir Ausschau nach jemanden, der dir helfen kann.", flüsterte er.
    Vorsichtig legte ich meinen Kopf gegen seine Schulter und seufzte. "Wenn es so jemanden gibt."
    Auch wenn er mir immer wieder Mut zusprach sah ich Zweifel in seinen Augen. Er wusste es genau so wenig wie ich.



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