Lehrstunde

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  • „Komtess...“, spricht er mich zum wiederholten Male falsch an und ich fragte mich, ob es eine Prüfung meines Rückgrats ist,
    oder einfach Dummheit im Mantel eigener nach außen getragener Bildung.

    „Gräfin...“, mein leiser Einwurf.

    „Bitte?“, hakt er nach und schüttelt sacht den Schopf: „Wie dem auch sei, Komtess...“

    Ich gebe auf.

    „... es ist nicht so schwer sich alle Namen der ansässigen Familien zu merken und wenn ihr erst in Calpheon seid, müsst ihr sie
    wissen. Also...“, ein tiefes Seufzen und Schmatzen als trüge er die Last der Welt auf den Schultern: „... den Kalis-Rat haben
    wir ja nun. Sehen wir, ob ihr in den letzten Tagen zwischen den Unterrichten gelernt habt.“

    Wir saßen unter einem der weitläufigen Bäume des Anwesens und Annaphen, die Glückliche, lag auf dem Rücken im Gras und
    ließ sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Meine Gedanken schweiften ab, während er von Häusern wie di Falco oder Ceos
    sprach. Die Namen aus seinem Mund kamen und gingen, verfingen sich weniger in meinem Erinnern als der mich streifende
    Wind in meinem Haar.

    „Das Haus Carvain gehört zu den stärkeren Häusern der Stadt. Sie haben sich einen festen Standpunkt durch ihre Nähe zum
    Elionismus und zur damaligen Krone, wie jetzt zum Rat aufgebaut und ihr werdet nicht drumherum kommen, sie zu laden,
    sobald ihr in der Stadt seit. Wie heißt das amtierende Grafenpaar?“

    Schweigen.

    „Komtess?“, einmal mehr aus seinem Mund.

    Ich hörte gar nicht zu. Mir war das alles zu wider, wen ich zu empfangen habe, wer kommt um mich zu mustern. Von wem ich
    eine Einladung zu erwarten habe, weil es unhöflich wäre mit der Einladung zuvor zu kommen. Reichte es denn nicht einfach da
    zu sein? Noch einmal wiederholte der Oberlehrer die Anrede falsch und jetzt war es wohl auch Annaphen zu bunt geworden.
    Was genau, ob mein Schweigen oder seine Dummheit? So ganz konnte ich es nicht sagen.

    „Bei Elion sie ist Gräfin! Grä-fin! Merkt es euch endlich und Anastasia, könntest du bitte die Güte haben und antworten, bevor
    er in einer endlosen Schleife immer wieder dasselbe von sich gibt. Man könnte meinen es wären Zacken aus der Liederwalzer
    gebrochen.“

    „Verzeiht, Komtess“, näselte er Annaphen zu und zumindest in diesem Fall lag er richtig. Ich war nun an der Reihe, aber welche
    Antwort geben, wenn man der Frage nicht einmal gelauscht hatte. Irgendetwas um das Haus Carvain war es.

    „Cal-le-illes?“ Wer soll sich alle Namen merken? Ein vorsichtig abtastender Blick folgte, während der Mann mit Pomade schwerem
    Haar wieder seufzte.

    „Nein, nein. Vollkommen falsch. Das Grafenpaar sind Achilles und Ariadne Carvain. Die Kinder: Asgarlon Carvain, Erbe des
    Titels, Lavellan, Priesterin unter Elion und Calvaras...“

    „...eilter Weiberheld, denk einfach an unseren Gockel Casper, dann merkst du dir den Namen bestimmt.“

    Annaphen sah mich mit einem breiten, spitzbübischem Grinsen an und ich konnte nicht anders, stimmte in die gute Laune mit ein
    und kicherte leise hinter gehobener Hand.

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