Gräfin

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  • „Wir können nicht den Kopf nun in den Sand stecken und uns dem Schmerz ergeben. Du weißt was Vater gesagt hat,
    wir können nicht alle machen lassen was sie wollen.“

    Ich sah ihr zu, wie sie im Raum auf und ab ging und ich lauschte den vielen Worten, die einem Wasserfall gleich
    auf mich einprasselten.

    „Du weißt, ich kann es nicht tun. Ich habe einen anderen Weg gewählt, es war Alessios Weg Graf zu werden und
    meiner Walküre. Elion zu dienen ist alles was ich will und wofür ich lebe und arbeite.“

    Sie konnte es nicht tun, aber wer dann? Kurz senkte ich den Blick auf meine Hände, sie zitterten und taten
    dies bereits seit der Ankunft meiner Schwester und der schlechten Nachricht, die sie nach Olvia brachte.

    „Wir brauchen also eine Lösung und ich bin auch nicht bereit das Haus in Leitung an unsere Basen und Vettern
    zu geben. Sie haben die Weinberge, sollen sie diese behalten und verwalten, aber den Grafentitel halten wir.“

    Wir? Wie sollte das gehen? Wir könnten überhaupt nichts halten. Sie! Sie war die ältere von uns, was hatte ich
    schon für eine Ahnung von dem Führen eines Hauses? Dem darstellen dessen, was es bedeutete und dann war da noch
    Calpheon. Die Großstadt vor der ich mich fürchtete, die vielen Gesichter und Etiketten, die ich lernen musste.
    Ich wollte nicht nach Calpheon, alles in mir sträubte sich vor Calpheon. Mein Leben war hier zwischen den
    Olivenbäumen, den netten Menschen, der Ruhe.

    „Hörst du mir überhaupt zu? Anastasia! Ich rede mit dir! Bei Gott, wie kannst du jetzt träumen. Verstehst du
    nicht, welchen Verlust wir erlitten haben? Ich habe meinen Bruder verloren, meinen Seelenpartner seit dem Leib
    unserer Mutter.“

    Aber ich verlor ihn doch ebenso, meinen Bruder. Alessio, den Starken, den immer gut gelaunten, den Felsen in der
    Brandung, wenn ich einmal beim Spiel gefallen bin. Er pustete mir das Knie, strich mir über den Schopf und
    versprach mir auf ewig auf mich acht zu geben. Wo war er nun? Warum hat das Schicksal uns so übel mitgespielt,
    Bruder?

    „Ich habe einen Entschluss gefasst und zwar werde ich offiziell zu deinen Gunsten auf meinen Titel und Rang
    verzichten. Mein Leben gehört Elion, deines dem Haus. Du wirst...“

    Nein, NEIN, bitte sag es nicht. Ich verkrampfte die Finger ineinander und mein Blick floh zu ihr auf, ich flehte
    sie stumm an und konnte kaum atmen. Tausend Gedanken flohen mir durch den Kopf, überschlugen sich und wurden zu
    einem undurchdringbarem Knäul.

    „... Gräfin werden.“

    Damit hatte sie scheinbar zunächst alles gesagt, ein flüchtiger, schwesterlicher Kuss an meine Schläfe folgte
    und hernach hörte ich noch die Tür ins Schloss fallen. Der Wirbelwind war vorüber gezogen an mir, hatte Sorgen,
    Nöte und ein Trümmerfeld hinterlassen. Und endlich kam ich zur Stimme, aber keiner hörte es mehr:

    „Ich will keine Gräfin sein.“

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Kommentare 1

  • Wellenschlag -

    Hölle, Hölle. Was ein Hundeleben da bevor steht. :p