Unheilvolle Nachricht

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  • Ich erinnere den Tag, die Stunde, die Minuten als die schreckliche Nachricht überbracht worden ist. Gleichwohl höre ich auch noch die hastigen
    Schritte durch den Flur des Anwesens in Richtung meiner persönlichen Gemächer.
    Ungewohnt barsch wurde die Tür aufgerissen, knallte mit der Kante gegen die rückwärtige Wand und schlug hinter Annaphen wieder ins Schloss.
    „Das war unnötig“, korrigierte ich ihr Verhalten mit gehobenem Blick um dann das erste ungute Gefühl im Magen zu bekommen. Meine Schwester
    war bleich wie das Salz aus unseren Mienen. Sonst immer das pure Leben mit ihrem Elion geschenkten roten Haar, der gesunden Hautfarbe und
    den strahlend blauen Augen, ließ mich das Bleiche und die zitternden Finger unvermittelt aufstehen und zu ihr eilen. „Du siehst aus als wäre ein
    Geist persönlich hinter dir her. Was ist geschehen?“, meine Finger umfassten die ihren, ich sah ihr in die Augen und hörte dann: „Sie sind tot,
    Anastasia.“, ein Beben einem Schluchzen gleich hob ihr die Brust: „Allesamt.“ Mir zog es den Boden unter den Füßen fort und nur die Verbindung
    unserer Hände hielt mich im Stand, ich flüchtete mich noch in eine Hoffnung: „Aber nein, das Schiff verspätet sich sicherlich nur.“ Doch Annaphen
    schüttelte den gelockten Schopf: „Nein, sie sind alle tot. Der Bote hat sein Pferd fast zu Grunde gerichtet um die Nachricht zu überbringen.
    Das Schiff ist gesunken, man fand Treibgut und Planken, Anastasia. Sie sind allesamt... ertrunken.“
    Meine Hände verloren den Kontakt zu ihren, ich tastete nach einem Möbelstück zur Seite und hielt mich dort halb daran gelehnt ein. Die anderen
    Finger presste sich vor meine Lippen. Wieder hörte ich ihre Stimme, diesmal hysterischer: „Anastasia, ich kann das nicht. Ich werde das
    nicht tun. Bei Elion, sie sind alle tot. Weißt du was das heißt? Anastasia sag doch was! Anastasia!“ Aber mir blieb der Magen verkrampft und die
    Kehle zugeschnürt, erste Tränen rannen mir über die Wangen. Mutter... Vater... Bruder... und all jene Anverwandten, die sich der Fahrt
    angeschlossen hatten, tot?. Und während meine Schwester ein Wort nach dem anderen auf mich nieder prasseln ließ wie dicke Regentropfen
    in ihrem Schmerz, in ihrer Panik, konnte ich nur dort stehen, meinen Blick abwenden und in den Garten sehen. Tränen verhangen sah ich zu den
    Rosenbüschen: „Sie müssen geschnitten werden, Mutter schätzt es nicht, wenn man die wilden Triebe sieht.“

    Sie sind alle tot.

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