Der Imaginäre Freund

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  • Der Imaginäre Freund
    (Aus “Dunkle Schwingen und kaltes Herz‘‘)


    Ein klarer Morgen breitete sich über Calpheon aus als Desideria sich erneut ihres Unterrichts entzog.
    Eine junge Dienerin begleitet den blonden Wildfang, der aufgeregt durch die Gassen hüpft.
    Durch ein kleines Seitentor wird dem Trubel der Stadt entkommen, während sich die ersten Bäume bereits über ihrem Blickfeld erstreckten.
    Das jüngste der "Cervius"- Kinder, zog es wieder ins ruhige und unermüdliche Grün, ganz gleich wie sehr man dem Mädchen dieses verboten hatte.
    Die etwas kräftig gebaute Bedienstete kommt oft aus der Puste, während sie dem kleinen Mädchen hinterher eilt.
    Eine schöne Szenerie bietet sich an jenem wolkenlosen Tag.
    "Fräulein Deria!" schallt es in den Wald als die Kleine hinter dem nächsten Baum verschwindet.
    Unaufhaltsam huscht das Gör durch die Sträucher, die bis zu ihrem Knie reichten und verjagt dabei einiges an Kleingetier, das sich unter dem Schutz der Halme verbarg.
    "Komm raus! Ich weiß, dass du da bist!" ruft Desideria in das Gehölz hinein.
    Für einen Moment verbleibt es komplett still, nur der Gesang der Vögel und das verstummende Geräusch der raschelnden Äste ist zu hören.
    Tatsächlich regt sich etwas dann im Dickicht. Ein pechschwarzer Schopf erhebt sich aus einer Baumkrone.
    Einige Winter älter als das Mädchen blickt er auf sie hinab mit einem warmen Lächeln auf den dünnen Lippen.
    "Goldlocke, du hast auf dich warten lassen!" Ertönt eine klare Stimme aus der Richtung des Baumes.
    Ein Junge streckt seinen Kopf nun vollkommen aus dem Gewirr an Blätter.
    Es raschelt und ehe man sich versieht balanciert der Krähenschopf auf einem dicken Ast umher.
    Dunkle Stoffe zierten den Körper des Jungen, Schmuck mit eigenartigen Symbolen seinen Hals.
    Pechschwarze Augen mustern das kleine Blondchen eingehend.
    "Entschuldige Theo, Mutter war wieder streng und wollte mich nicht herauslassen!"
    Kommt es wehleidig von Desideria, die ihn dabei beobachtet, wie er sich tänzerisch auf dem Ast bewegt.
    In der Entfernung hört man die besorgten Rufe der Dienerin, die sich in ihrer langen Robe durchs Unterholz quält. "Offensichtlich sucht man nach dir, Deria."
    Theo richtet seinen Blick in die ferne. Eine Silhouette ist zu sehen, die sich abermals umdreht und durch den Waldboden stampft.
    Das kleine Gör überlegt nicht lange, bevor sie sich weiter in die Tiefe des Waldes zurückzieht und die Rufe allmählich verklingen.
    Der Rabenjunge folgt ihr bis zu einem kleinen Teich, bei diesem sie sich hinhockt und mit einem Grashalm ins schillernde Wasser tunkt.
    "Ich möchte noch nicht Heim." brummt sie entgeistert. Theo lässt sich neben ihr nieder und legt seine Hand auf ihre Schulter.
    Für einen Augenblick wird das glänzende Spiegelbild betrachtet. Kleinere Fische tummeln sich darin und Luftblasen regen empor, wie leuchtende Perlen.
    Wie durch Magie entsteht eine wunderschöne Blüte auf der Oberfläche des schillernden Traumes.
    Kurz schwebt die Blume über dem Wasserspiegel bevor sie in die blassen Hände des Mädchens gleitet und dort ruht.
    Desiderias Augen leuchten und mit vollem staunen betrachtet sie das Resultat seiner kindlichen Zuneigung. "Sei nicht traurig, ja?"
    Eine Strähne ihrer goldenen Haare wird von dem Jungen vorsichtig hinters Ohr geklemmt.
    "Ich werde dich nie alleine lassen, Deria. Nie."


    "Das Herz Tarifs "
    <Corvidae>
    Rollenspielgilde - Tarif & co. - RPvX.

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