Der Auftrag

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  • Ihre Schritte hallten von den dunkel gefärbten Wänden der Hallen des Obersten Gerichts des Kaiserreichs wider. Die breiten und hohen Gänge waren wie immer blank so blank gewischt, dass sich die Öllampen an den Wänden mehrmals wiederspiegelten. Alles zeugte vom Anspruch der Reinheit des Gesetzes und seiner Vollstrecker. Wie immer waren die vielen Türen fest geschlossen, kein Laut drang aus den Gerichtszimmern und Schreibstuben nach außen und kein Laut drang ein und störte das Tun hinter den Türen.

    Einst, so heißt es, stand dies für den Anspruch, dass alles innerhalb der Hallen und der Akten der Behörde blieb und auch, dass jeder Vorgang uneingenommen von äußeren Dingen behandelt wurde. Heute aber flüstert man, es diene alles dazu, dass die Proteste und Schreie der Verurteilten nicht nach außen dringen können- oder das Klingeln der Münzen, mit denen Recht gebeugt und gekauft wird im Kaiserreich.

    Die rothaarige Frau hielt vor einer der vielen Türen an und wartete schweigend ab. Den Helm in der Armbeuge der Linken, lag ihre Rechte der Zeremonie gerecht auf dem Knauf ihres Schwertes. Es dauerte nciht lange, dann wurde die Türe aufgeschoben und sie trat in die Kammer dahinter.

    Ihr gegenüber saß hinter einem von unzähligen Schriftrollen bedeckten Tisch ein Gerichtsbeamter und siegelte eben noch einen kaiserlischen Befehl. Die Frau wartete geduldig auf ihrer Seite des Tisches.

    "Ermittlerin 4ten Ranges Sy, was weißt du über das Massaker im Tal des Schlangenflusses?"

    Ihre Antwort kam erst nach einem Moment des Zögern, was dem Beamten nicht zu entgehgen schien.

    "Ein Aufstand unzufriedener Bauern, angeführt von dem unbeherrschten Sohn des kurz zuvor verstorbenen Fürsten. Die dritte Armee zusammen mit den Söldnern der andren Fürsten in den Bergen machte alle Aufwiegler nieder. Das Tal gehört heute zum Gebiet des Fürsten Chi'Yuang."

    "Was weißt du über den Fürstensohn, der den Aufstand anführte?"

    "Er wurde im Kampf getötet."

    "Und der Rest der Fürstenfamilie?"

    "Nach dem Erlassd es Kaisers wurden alle hingerichtet."

    "Nicht alle. Er heiratete kurz vor seinem Tod eine Priesterin, die den Hof dort ein Jahr zuvor als Beraterin und Geistruferin zugeteilt worden war. Manche sagen, diese Frau sei es gewesen, die an allem Schuld war."

    Diesmal hatte sich die Ermittlerin besser unter Kontrolle. "So sagt man, ja"

    "Wie ich erfahren habe, entkam diese Witwe und war seitdem auf der Flucht in den abgelegenen Provinzen."

    "Es ist nur eine Frage der Zit, bis sie aufgegriffen wird."

    "Nun ja, das wäre der Fall, wäre sie noch innerhalb des Reiches. Aber wir haben von den östlichen Piraten Informationen zugespielt bekommen, dass die Gesuchte das Reich mit einem der letzte Schiffe gen Osten verlassen hat, über die magorische See hinweg ins Land der Barbaren."

    "Dann ist sie sicher schon tot .. ertrunken, ausgeraubt oder Monstern zum opfer gefallen."

    "Ja, das wäre möglich und passend für eine solche Verräterin. Aber das scheint auch nciht der Fall zu sein. Sie lebt und entgeht mit jedem Atemzug ihrer Strafe. Aufgrund der schwere ihres Verbrechens, der vielen opfer, die ihr AUffstand mit sich gebracht hat, kann das Reich nicht erlauben, dass sie ihrer Strafe entgeht."

    Die Ermittlerin nickt knapp.

    "Die Behörde hat daher beschlossen, einen Vollstrecker in die Barbarenlande zu entsenden - trotz der geschlossenen Reichsgrenzen. Die Ausnahmegenemigung habe ich bereits hier. Ihr erscheint uns als die beste Wahl, die gesuchte Wu Hou zu finden und das Urteil zu vollstrecken. Widerspruch gegen diesen Befehl wird nicht stattgegeben, ihr brecht morgen auf zur Küste. Alles was ihr braucht, werdet ihr bei eurer Abreise über das Meer vorfinden. Allein ein Phantombild der Gesuchten fehlt noch, es müsste noch aus dem Archiven geholt werden. Aber ich denke, das braucht ihr gar nicht, oder?"

    Die Ermittlerin unterdrückte jede unangemessene Reaktion und schüttelte verneinend den Kopf.

    "Das wird nicht nötig sein, nein. Ich werde meine ältere Schwester immer erkennen."

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