Zwielicht

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  • Lebst du zu lange in einer Welt der Unbeständigkeit, verlierst du dich schnell in der Zeit.



    Die Zeit des Krieges um Macht, Serendia gegen Calpheon, eine Zeit voller Leid und Opfer auf beiden Seiten.
    „Also gut Männer, die Hälfte des Weges zurück nach Heidel haben wir geschafft. Die Vorräte müssen spätestens morgen Mittag ankommen!", brüllt der Anführer des Karawanentrupps zu seinen Soldaten.
    Der Abend bricht an und die Sonne wirft ihren orangenen Schein auf das hügelige Land zwischen Olvia und Heidel. Eine Karawane bestehend aus drei großen Karren, geladen mit Weizen und Fleisch, muss zur Burgstadt gebracht werden, zwanzig Soldaten wurden mit der Eskorte beauftragt.
    Der Anführer ein noch junger Offizier namens Kedrigg.
    „He, hast mal von diesem berühmten Schwertmeister gehört? Anscheinend schickt der seine zwei Töchter auch in den Krieg. Sollen nicht schlecht aussehen. Wünschte, die wären hier."
    „Du sollst nicht reden, du sollst die Zelte aufbauen du Narr!", hetzt der junge Offizier seine Soldaten.
    „Sag's ja nur.", erwidert der Soldat und zuckt mit den Achseln.
    Welcher Vater schickt seine Kinder nur freiwillig in diesen Krieg, fragte sich Kedrigg. Die Augen von ihm suchten die Gegend genaustens ab, dann erst fiel es ihm auf. Das schwache, metallische Leuchten auf dem Boden.
    „Zu den Waffen!", brüllte er sofort. „Treibt die Karawane nach vorne!"
    Bevor alle Karawaniere überhaupt wissen, was passiert, kam eine große Banditenbande von hinter den Hügeln, wovon die meisten getarnt auf dem Boden lagen, geschützt durch das Zwielicht des Abends.
    „Bogenschützen! Die Riesen fokussieren!", ruft Kedrigg weiter Befehle und zieht ebenfalls sein Schwert.
    Die Karawaniere setzten sich in Bewegung und die Pferde mühten im Eile, doch sind die Pferde erschöpft.
    Diese Bande ist zu groß für die Soldaten, schoss es Kedrigg durch den Kopf und wehrte einen unkoordinierten Schlag mit seinem Schild ab. Sein Schwert fand die Kehle des Feindes.
    Der Kampf währte nicht lang, die Soldaten Heidels wurden schnell überrumpelt und einzig allein er und zwei andere Soldaten verteidigten weiter den Weg zur nun ungeschützten Karawane. Als Kedrigg einen weiteren Feind niederstreckte, traf ihn die Keule eines Riesen, zerschmetterte seinen Schild und ein paar Rippenknochen. Hart landete er auf dem Boden und rang nach Luft. Auch hörte er die Schreie anderer Männer, konnte diese aber nicht mehr zuordnen.
    Das also sollte mein Ende sein, dachte er.
    Seine Augen wendete er zur Sonne, die gerade untergegangen ist, und eine Träne lief ihm die Wange hinunter.
    Mit Schmerzen erhob er sich bis auf die Knie und fand nicht das, was er erwartet hat. Vor ihm fand ein Tanz in steigender Dunkelheit statt. Eine lange Gestalt, gekleidet in schwarz, mit Haaren weiß wie der Mond, tanzte ihren blutigen Tanz durch die ausgedünnte Bande. Ihr langes, dünnes Schwert schnitt durch die Wegelagerer, ihre Bewegungen vollkommen.
    Kedrigg schafft es bis auf die Beine und hebt sein Schwert wieder auf, aber die letzte Handvoll an Banditen nahm die Beine in die Hand, und kurz verharrt die bleiche Gestalt ruhig, dreht sich dann aber zu Kedrigg um.
    Die zweifarbigen Augen, das linke purpurfarben, das rechte weiß, fixierten Kedrigg. Er hebt sein Schwert und fasst den Griff mit zwei Händen.
    Kampflos würde er sich nicht ergeben.

    „Die Bleiche! Ein Gerücht erschaffen um Verbrechern Angst einzujagen oder die Wahrheit? Kommt heute Abend in die Kerzenlicht Taverne und sprecht mit einem Reisenden, der sie gesehen haben soll!", brüllt der junge Marktschreier über den Lärm der Marktstraße Heidels.
    Der alte Mann schüttelt lächelnd den Kopf und packt sein frisches Brot ein.
    Die junge Verkäuferin vor ihm lacht ebenfalls schwach.
    „Welch ein unsinniges Gerücht, nicht wahr Kedrigg? Angeblich soll sie auch über mehr als ein Jahrhundert immer wieder auftauchen! Aber wenn so ein Gerücht hilft, die Straßen sauber zu halten, von mir aus.", quatscht sie mit Kedrigg.
    „Sicher fürchten sich kleinere Gauner vor dieser mysteriösen Erscheinung. Ich selbst habe zu viel gesehen, als an sowas zu glauben.", antwortet der alte Mann lächelnd und verabschiedet sich.
    Vergessen aber wird er diese Augen nie, und als sie vor ihm stand und diese Frage gestellt hat:

    “Wie ist dein Name?", fragte sie.
    “Kedrigg.", antwortete er mit zitternder Stimme.
    “Danke, Kedrigg.", sagte sie, drehte sich um und ging einfach davon.

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