Wer ich bin?

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  • „Ich will eines Tages die Welt sehen, ich will Abenteuer erleben!“ (*)

    Als ich diese Worte sprach, lag ich als Kind in meinem Bett und blickte durch das Fenster zu den vielen leuchtenden Sternen im Himmelmeer weit droben über meiner Heimatinsel, Illya. Sie leuchtenden so unendlich weit entfernt und doch schienen sie immer nach mir zu rufen.

    Aber dann zog meine liebe Mutter meine Bettdecke höher und sagte nur: „Ach, kleine Maus. Eine Shai erlebt keine Abenteuer in der großen weiten Welt. Dort ist es gefährlich und gar nicht schön. Deine Heimat ist Illya, dort lebt deine Familie schon so lange in Ruhe und Sicherheit. Hier ist dein Platz, so wie der meine und der meiner Mutter vor mir und vor der. „
    Dann folgte immer die Geschichte unserer Familie und all unserer Ahnenfrauen, welche wichtige Aufgabe wir hier zu erfüllen haben in der Gemeinschaft der Insel. Jeder hat seinen Platz und der meine schien schon weit, weit vor meiner Geburt wie ein Tau festgezurrt zu sein.

    Wenn ich an meine Mutter denke, denke ich immer an dieses Gespräch. Immer und immer wieder, unzählige Male in denen ich älter wurde … und auch ein paar Zentimeter größer.
    Irgendwann versuchte ich einfach so zu leben, wie meine Mutter es wollte. Doch ich musste nur auf das weite Meer um Illya blicken, um den Ruf der Welt tief in mir zu spüren.

    Sicher, ich liebe meine Inselheimat. Ich kann mit geschlossenen Augen und ausgetreckten Armen vom Anlegesteg im Süden über den schlafenden Feuerberg bis an das Kap der Fliegenden Fisch im Norden gehen, ohne auch nur einmal falsch zu treten. Oder mit dem Lauf der Sonne von Ost nach West. Ich rieche den Morgenwind und den Abendwind bevor ich sie auf meinen Wangen spüre. Ich kenne jedes Erdloch, jeden Baum und natürlich jedes Mitglied unserer Gemeinschaft. Ich kenne meine Aufgaben und lernte von Mond zu Mond mehr, was man von mir erwartet und was ich alles leisten kann.

    Aber wenn ich dann am Nordkap meine Augen wieder öffne und das weite Meer vor mir sehe …..

    … wenn ich am Anleger die Schiffe der anderen Inseln oder gar dem Festland beobachte ….

    … wenn ich die vielen Sprachen und Geschichten der uns besuchenden Abenteuer abends am Strand beim Lagerfeuer höre ….

    … dann spüre ich den Ruf der Ferne tief in mir.

    Ja, die Welt dort draußen ist groß, weit und sicher auch gefährlich …. aber sie ist nicht zu groß für eine Shai!


    (*)Musikuntermalung: Moana – How far will i go – Maori-Version: youtube.com/watch?v=t8oo_4HLM94))

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