Alte Wunden & Feinde

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  • Zu jenem Zeitpunkt war die Nacht jung. Der Sternenhimmel schien klar und im Königswald, westlich der Stadt Heidel, kam die Ruhe herbei.
    Attorius, ummantelt in der Stahlrüstung vom Hause Verus und bewaffnet mit Bastardschwert, Dolch und einer brennenden Fackel, stand nahe der Klippe mit dem wachsamen Blick auf die Landschaft am südlichen Demiflussufer. Das Augenpaar des jungen Ritters schloss sich, als Schritte in den Gräsern zu hören waren und die Äste am Boden knackten. "Du hast die Bewegungen der Dunkelheit auch vernommen, Vater? Die Schwarzmagie, die Fäulnis und die Vorboten sich nähender Feinde?" Mit einem ruhigem und doch nachdenklichen Ton entkamen die Worte dem Lippenpaar.
    Augustus, welcher wie Attorius umgeben von einer blanken Stahlrüstung vom Haus Verus war, hatte als einzige Bewaffnung einen Dolch mit sich. Auch dessen linke Hand trug die flackernde Fackel. Die älteren, tannengrauen Augen blickten zum Sternenhimmel empor. "Schon vor zwei Tagen." Sprach der ältere Mann es im trockenem Ton. Dessen Blick wanderte vom Nachthimmel vor sich zum Demifluss und den südlich liegenden Getreidefeldern. "Ich hielt dies jedoch bewusst vor dir geheim. Ich vermute wen bestimmtes wegen der Merkmale." Brummte Augustus dies. Die Augen weiteten sich und Sorge war herauszulesen.
    "Meinst du, es sind die Männer und Frauen, welche...Onkel Arelius und Vinicia das Leben nahmen? Die Bastarde, die eigentlich gar nicht mehr leben sollten?" sprach er die Worte leise, aber zischend.
    Augustus nickte schwach. Ein bedauerndes Seufzen folgte sogleich. "Die Truppe, welche von deiner Mutter mir und dem Überbleibsel des Ordens gerichtet wurden. Aus Vergeltung für deren Taten und wegen des göttlichen Willens. Die galten damals als ausgelöscht und doch entrissen sie mir dich damals." Ein Kopfschütteln des älteren Mannes folgte. "Sie spürten einmal den Zorn des Drachens. Ha, aber nun.. Ich überlebte bis auf dich, Maj und Sacre alle anderen unseres Hauses.. Gar Vinicia und Lucien...und werde nicht jünger. Ich fürchte mich nicht vor dem Tod.. Allerdings stoßen mich bald die Jüngeren aus dem Rennen." Die Augen richteten sich daraufhin auf Attorius. Die Worte klangen bedauernd.
    "Ja, wir Verus haben für gewöhnlich eine geringe Lebensdauer.. Wenn aber der Jagdtrieb des Drachen schläft, sucht der Zorn Diese auf.." Der Speichel wurde auf das Fleckchen Gras vor sich gespuckt, als die laubgrünen Augen auf den tannengrünen Augen von Augustus ruhten. "Du hast Schlachten, Verschwörungen und Meuchelmorde überlebt.. Es wird aber Zeit zu zeigen, was die nächste Generation der Verus auf dem Kasten hat." "Attorius.. Wenn ich dir eines beibrachte, dann Geduld. Übereifer wird oftmals mit dem Tod bestraft.. Das ereilte bereits deine Schwester, Vinicia und ich will nicht mein drittes Kind zu Grabe tragen." Ernst im Blick schien Augustus die Worte zu sprechen. Bedrohlich und warnend funkelnden die tannengrünen Augen zu Attorius.
    "Ich weiß, was damals passierte.. Es ist nur.. Was diese reuelosen Hurensöhne mit dir anstellten. Was sie uns allen antaten. Wie viele Leben kostete der Krieg? Wie viel Leid richteten sie an? Wie viele Kinder wurden zu Waisen und wie viele wurden zu Witwern und Witwen? Wie viele Gräber wurden geschändet? Ich werde nicht von der Welt scheiden, bis der Letzte von denen unter der Erde liegt. Und du auch nicht." Der nächst liegende Stein wurde nach den Worten von Attorius Opfer eines Trittes, welcher dann die Klippe herunterkullerte.
    "Zu viel leid richteten sie an. Zu viel passierte und zu viel Ordnung wandelte sich zu Chaos. Und zu viele gute Leute fielen den Klingen und Bolzen zum Opfer. Aber allein lasse ich dich nicht auf die Jagd.. Wir beide kümmern uns drum. Reite die Tage weiter nach Calpheon. Ich halte hier die Augen auf.." Augustus sprach die Worte bestimmend und mit einem unterstreichendem Nicken. "Ich richte dort mein Lager ein und mische mich unter das Volk, schon klar. Und behalte du den Himmel im Auge." Augustus wurde ein Nicken zum Abschied zuteil und somit trat auch der jüngere Verus den Heimweg an. Augustus hingegen wandte sich wieder mit dem Blick dem Fluss zu und blickt drei Wimpernschläge später zum Himmel hinauf. Das mit dem Himmel sagte ich dir immer.."flüsternd folgten die Worte. Ein langer Atemzug folgte dann auch mit der Nase. Die rechte Hand wurde auf die linke Seite der Brustplatte gelegt* Und nun...nach jahrelanger Ruhe...erwacht der Zorn des Drachen erneut...und die Feuer schmieden neue Bündnisse...fern der eigentlichen Heimat..." Die tannengrünen Augen blickten verengt auf die linke, gepanzerte Hand, welche sich zu einer Faust formte. "Pass auf dich auf, Attorius. Denn ich werde zu alt für diesen Scheiß."

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