SEBYLLE

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  • Sebylle
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    „So höret her!“ Erschallten die Worte des Spielmanns Dante Marzio, welcher auf dem Dach eines Marktstandes in dem Marktviertel stand. Seine Hände waren gen Himmel gestreckt, sein Tenor erfüllte das Händlerforum von oben herab. Einleitende Trommelschläge machten auf ihn aufmerksam. Seine klaren grünen Augen richteten sich ernst auf das potentielle Publikum. Doch zog sein Trommeln und Getöse auch jene an, die seinen bezahlten Auftritt sabotieren wollten. Eine Frau mit Hut, welche durch diesen Auftritt gestört war. Selbsterkorene Kämpferin für die gerechte Sache. Ihr Misstrauen war groß, diesen Störenfried musste sie ausschalten. „SO HÖRET HIN, GUTES VOLK, ICH ERZÄHLE EUCH EINE GESCHICHTE, VON LIEBE, LEIDENSCHAFT UND SCHMERZ. EINE GESCHICHTE ÜBER EINE REISENDE DIRNE.“

    Sein Deut, wie auch die Blicke des Publikums richteten sich auf eine Schönheit. Schwarzes Haar, mit Kohle gefärbte Augen. Im Klang von Narrenschellen tänzelte sie im Trommellaut des Spielmanns Dante Marzio auf das Plateau. Ihre Bewegungen, geschmeidig wie eine Katze. Sie bezirzte mit Schönheit und Grazie. Ein fließend langes rotes Stoffband begleitete ihren Tanz. Sie bewegte die Hüften im Klang der Melodie einsetzender trauriger Fidelklänge. „SEBYLLE, GEFÄHRLICH UND SCHÖN. WANDERHURE, ELIONS VERHASSTES KIND.“ Mit einer eleganten Handbewegung lässt die Frau die Hüllen fallen. Gewagte Lumpen in bunten Stoffen, daran ein rotes und ein gelbes Band an ihren eleganten Beinen befestigt. Ein liederliches Weib, voller katzenhafter Grazie und Schönheit tanzte auf dem Plateau. Immer mehr Leute wollten die Schöne aus dem fahrenden Volk besehen, welche die Hure Sebylle darstellen sollte.

    Der Klang der Fidel begann plötzlich ein wildes, wie auch gefährlich leidenschaftliches Lied zu spielen, welches die Bewegungen im Tanz mit den roten Tüchern der schönen Sebylle unterstreichen sollte. Wie das Feuer von leidigen Nächten wurde Mann um Mann angetanzt. Das Getuschel war groß, wie auch die Abscheu ob des Schauspiels. Doch so manch ein Herr konnte die Augen nicht von dieser Frau lassen, welche sich in kreisenden Drehungen und eleganten Sprüngen dem sich grämenden Wachmann in Zivil, Raevaar Griseo, näherte. Diesen umschloss sie mit den roten Stoffbändern und umtanzte ihn, schenkte ihm ein Lächeln, wie ihre liebreizende Aufmerksamkeit. Er war der Partner, welchen sich Sebylle für den Tanz aussuchte. Und der Fidelspieler rief: „UND FREDERICO, DER LIEBENDE NARR, WELCHER IHR, WIE ICH, ELIONS DIENER ATTIANO, VERFIEL.“

    Das Spiel änderte sich plötzlich in ein romantisches, ruhiges Lied, welches die Nähe der Beiden, welche sich, dank der Kooperation des Adeligen, gegenseitig in Blicken und Bewegungen verführten. Ungewohnt hingebungsvoll besang nun der Spielmann auf dem Dach des Marktstandes, die liebevolle Szene zwischen der Tänzerin und dem Adeligen. Seine Stimme war wie die eines Balladensängers, nicht eines Narrenkauzes:




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    „Es war ihr Gift was ihn umgebracht,
    So ist er nie mehr erwacht,
    Denn so wirds' dir langsam klar,
    Wie von Liebe blind,
    Er folgte ihr wie ein töricht Kind
    Denn er ahnt' nicht mein Lieb, was mit uns war,
    Dein Lächeln strahlt ihn an,
    Nun wurd ihm ganz gewahr


    Sebylle, hast, dir angelacht,

    Doch mir gab sie sich hin, Nacht um Nacht.“

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    Schmachtend, richteten sich die Worte an die Schöne welche mit ihren roten Bändern noch immer den auserwählten Geliebten umgarnten, ehe sie sich von ihm löste sich nach und nach wieder fremden Männern näherte. Doch immer fiel ihr Blick auf Dante, den Spielmann. Hoch oben dort saß er, sie griff nach ihm und warf ihm sogar einen Kuss zu.




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    „Und so fing an, die Mär um Frederico und Sebylle.
    Sie liebten sich, doch sie war ihm nicht willen'.

    Doch lang' konnts' nicht so bleibn',
    Sie war da für mich, für gutes Geld,
    So konnt' ich sie haben, war sie doch meine Welt,
    Ja, die Veränderung konnt für ihn nicht grässlicher sein.

    Denn sie ist kalt,
    so kalt,
    Er fiel rein auf ihr falsches Spiel.

    Sie ist kalt,

    so kalt,
    Er verstand nicht, als auch ich ihr verfiel.“

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    Obwohl die Tänzerin der Sebylle etliche Männer umschwärmte, so brachte ihr Tanz sie stets zu dem jungen Raevaar zurück, welchen sie stets mit größter Umsicht umgarnte. Erst als sie nach einiger Zeit, ganz mit ihren roten Bändern mit dem dargestellten Frederico verbunden war, stand Dante, welcher den eifersüchtigen Attiano verkörperte wutentbrannt auf.

    Ein Trommelschlag ertönte, ein Klirren seiner Schelmenrasseln. Wie ein Tusch, welcher wie ein Schlag von tosender See auf einen Bug erklingen sollte. „HURE.“ brüllte der schauspielernde Spielmann hinab auf die junge Frau, welche ganz nun fern aller Anderen Männer war. „ELION MÖGE DICH VERFLUCHEN, VERFÜHRERIN.“ Ein weiterer Trommelschlag wurde geschlagen, ein weiterer Tusch. Und abermals deutete der Spielmann mit seinem Fidelbogen hinab zu der schwarzhaarigen Schönheit. „HURE, ELION MÖGE DEINE SEELE VERBANNEN.“ Ein weiterer Tusch ertönte und die Fidel begann zu spielen.

    Unter dem aggressiven, raschen Klang der Musik, verschwand die dunkelhaarige Schönheit hinter dem ritterlichen Raevaar, welcher angetan von ihrem Spiel sein Schwert zog um die arme Maid vor dem bösartigen Fidelklängen, welche wie der Ritt der Dunkelheit erklangen, um den Zorn des verschmähten Attiano darzustellen, zu schützen. Als würde Kzarka persönlich auf dem Podium stehen folgten den Klängen auch durchringende Gesänge, lauter und harscher als die liebevollen Worte zuvor:




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    „Sebylle mein Vogel du hast mich gerichtet,
    Ich gab dir mein Herz, du hast es vernichtet,
    Du wirst nicht entkommen, dafür werd' ich sorgen,
    Kein Wind blies je kälter als an diesem Morgen.

    Ich neide dem Sand, um die bloßen Füße,
    Ich neide dem Wind, dein zerzaustes Haar,
    Ich neide dem Kissen, dein müdes Haupt,

    Ich beneide zu, mörderischer leidender Liebe."

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    Und so sprang der Spielmann von dem Vordach herunter, er näherte sich dem leidenden Weib, welches noch immer geschützt von ihrem geliebten Frederico gefangen war. Die Schritte des Spielmanns, wie eine Inqusition, als er sich näherte. Sein Blick flammend im Fieber des Wahns, im Spiel seines Streichinstruments.




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    „Sebylle mein Vogel, dich umschwirren Motten,
    Mit kalten Herzen lässt du sie verotten,
    Du wirst bezahlen, dafür werd' ich sorgen,
    Kein Wind blies je kälter als an diesem Morgen

    Ich neide dem Sand, die bloßen Füße,
    Ich neide dem Wind, dein zerzaustes Haar,
    Ich neide dem Kissen, dein müdes Haupt,

    Ich beneide zu, mörderischer leidender Liebe.“

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    Voller Zwiespalt warf die Frau dem Spielmann eines der roten Tücher entgegen, welches er um seine Hand wickelte. Wie ein roter Schicksalsfaden, welcher sich langsam zu ihr führte, endete er sein Fidelspiel. Dante stellte seine Fidel auf dem Boden ab und näherte sich im letzten Akt. An dem Paar angekommen, entriss er die Verbindung des anderen roten Tuches zwischen Raevaar und der schönen Wanderhure. Er warf es harsch zu Boden, doch obwohl die Melodie nicht mehr erklang, sang er weiter. Er griff nach dem Haar der Frau, zog sie in seine Arme.




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    "Bis dein Atem nur für mich geht,
    Bis deine Welt sich nur um mich dreht,
    Bis dein Licht nur noch für mich scheint,
    Bis der Schlaf uns für immer eint."


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    Und so geschah es, er umschlang ihren Hals mit dem roten Tuch um anzudeuten ihr den Lebensatem zu nehmen. In seinen Armen erschlafft die schöne Schwarzhaarige, hängt herab. Und Dante Marzio, in seinem Schauspiel gefangen starrte mit seinen unheimlichen grünen Peridotaugen auf zu den Zuschauern.

    „BIS DER SCHLAF EUCH FÜR IMMER EINT.“ Der Abschluss dieses Stückes, wurde ein Fingerdeut auf Frederico, alias Raevaar, gemacht. Denn dieser wird wohl das nächste Opfer des gefallenen Diener Elions sein. Gebannt, im Applaus fand das Schauspiel der schönen Dirne ein Ende. Wahrscheinlich mit vielen Gerüchten in der gesamten Stadt.

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