Dies und Das

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  • Ein kleines Boot ruht auf dem Wasser.

    Die Segel gerafft und von der Strömung getrieben, bewegte sich das stromlinienförmige Gefährt langsam aber bestimmt über das klare Wasser. Links sowie rechts an den Flussufer wuchsen Blumen, so farbenprächtig, dass kein Maler je gänzlich die Schönheit dieser Situation hätte einfangen können.
    Doch der Elf, welcher das Steuerrad in der Hand hielt, besaß in diesem Moment keinen Nerv für derlei Kostbarkeiten des Auges. Er hatte alle Hände voll zu tun das Fortbewegungsmittel nicht über irgendeinen Fels schrammen zu lassen, welcher sich unter der Wasseroberfläche verbarg.
    Durch die Brechung die Strömung und die Optik durch das kühle Nass war ein korrektes Einschätzen für ungeübte Flusspioniere beinahe nicht möglich. Wenn auch kristallklar, war das Wasser hier tückisch. Da war es auch schon passiert.
    Das verräterische Schaben von Stein auf Holz ließ die kleine Fähre aufschaukeln. Der Elf riss nicht am Rad, sondern machte kleinere, bedeutsamere Kurbeldrehung. Ein Fluchen konnte er sich trotzdem nicht verkneifen. Die fuchsroten Haare waren nass geschwitzt, sodass die bleichen, weißen Spitzen der Sonne eine Konkurrenz in Glanz und Schein sein konnten.
    Die Seile mit denen das Gut welches er transportierte befestigt war, ächzten. Eine Kiste wagte es sogar sich gefährlich zur Seite zu neigen, als die Fähre um Stabilität rang.
    Der Elf hatte das Unheil jedoch schon im Blick. Schnell legte er ein Seil, an dessen Ende eine Schlaufe gefertigt war, um einen Knauf des Steuerrades damit die Fähre ihren Kurs hielt und hastete geschickt, auf der Planke balancierend, an den anderen Waren vorbei.
    Tippelnde, langsame Schritte brachten ihn genau rechtzeitig zum Ort des Geschehens. Genau rechtzeitig um die Kiste mit einem lauten Platsch ins Wasser stürzen zu sehen. Hatte er das Seil nicht richtig drum herum gebunden?
    Keine Zeit für Trauer oder Zorn, nun gut für Zorn vielleicht schon. Diesen musste er jedoch beiseite wischen, denn die nächste Passage des drohenden Unglücks lag bereits vor ihm.
    "Jedes Mal hier",
    zischte es zwischen seinen Lippen hervor während er sich zurück zum Heck der Fähre kämpfte, um weiteren Verlust zu vermeiden.

    Ein kleines Boot ruht auf dem Wasser.


    Gefangen in Mauern.

    Von weitem schon hörte der Elf die Tumulte der Stadt.
    Calpheon, eine Perle des Handels, der feinen Kleider und der gehobenen Sprache. Er mochte es in der Stadt unten am Kai anzulegen, obgleich er jene Straßen nie betrat. Von Weitem vernahm das Spitzohr meist den regen Austausch der Marktschreier, die Beleidigungen, die Flüche, das Lachen.
    Doch nichts von all dem war am heutigen Tage zu hören. Stattdessen plärrte Geschrei, geprägt von Hass, durch die Winkelzüge in sein Ohr. Im Dämmerlicht der untergehenden Sonne wirkten selbst die Fackeln wie Zeugen der Unmut und der Trauer.
    Der Fährmann steuerte sein Gefährt ruhig unter der Eingangsbrücke Calpheons hindurch. Zwei Brücken weiter sah er den Grund für das Geschrei.
    Wütende Bürger hämmerten gegen das geschlossene Fallgitter. Die Massen waren den Wachen in Zahl und Enthusiasmus weit Überlegen. Manchmal wichen einige der Protestierer zurück, wenn sie erkannten das "die Hüter der Ordnung" ihre Piken durch die Lücken des Gitters stießen, um den aufgebrachten Mob zurückzudrängen.
    Doch die Entlastung des Gebildes währte meist nur kurz.
    "Ein kleines Boot ruht auf dem Wasser."
    Eine Stimme riss den Fährmann aus der Szenerie. Völlig verwirrt blickte der Elf in ein für ihn eigentlich bekanntes Gesicht, jedoch schien ihn der Umstand von Calpheon im Kopf zu lähmen. Umso energischer versuchte der schwarzbärtige Mann es noch einmal.
    "Ein kleines Boot ruht auf dem Wasser."
    "Bevor es stinkt und sinkt."
    Entgegnete der Elf nun, was den Mann in die Hände klatschen ließ. Die stämmige Statur jenes Menschen straffte sich als der Fährmann ihm ein dickeres Tau zuwarf.
    "Da ist ja mein Fährmann! Endlich, ich dachte schon du schaffst es nicht rechtzeitig. Der bescheuerte Kommandant wollte schon die Adern abriegeln lassen. Aber zum Glück fehlen ihm dazu die Männer."
    Der Elf legte mithilfe seines Wohltäters am Kai an und stieg über die Planke auf den hölzernen Steg. Eifrig begann Mister Schwarzbart das Zählen der Kisten auf dem Boot.
    "Was ist denn hier los Emilio?"
    Kurz auf die Brücke deutend, wendete sich der spitzohrige Fährmann zu seinem Gesprächspartner. Jener entgegnete leicht abgelenkt:
    "Hmm? Ach das... Nun ein Aufstand wie ihn Calpheon des Öfteren schon erlebt hat."
    "Ist aber ganz schön heftig. Ich erinnere mich nicht je eine so erzürnte Meute gesehen zu haben... es wirkt wie Ratten die aus der Kalanisation platzen und über die Straßen schwemmen."
    Der Mann mit dem Namen Emilio lachte kurz auf. Es klang sarkastisch.
    "Sag das nicht zu laut, die Straßen haben Ohren und du willst nicht in die Fänge der Treibenden geraten. Schlimm genug das sie einem fast alle Waren zerschlagen, die man an den Adel ausliefert."
    "Ist das Zeug in den Kisten denn für den Adel?",
    wollte der Elf wissen und drehte sich zu seinem Boot. Seine Kleidung, bestehend aus weißem Wolfsfell und Leder raschelte kurz bei seiner Bewegung. Emilio schaute dem Fährmann ins Gesicht. Eine kurze Pause ließ die Antwort lange vermissen. Dann schnippte jener mit dem Finger und ein paar Männer und Frauen kamen hinter einem Pfeiler hervor.
    Sie waren gut gebaut. Stämmig genug jedenfalls um die Kisten von Bord zu hiefen. Alsbald sprach der Mann mit dem Bart als die Truppe mit dem Abladen begann:
    "Sozusagen ist es für den Adel ja. Es sind wichtige Waren auf die in Calpheon gewartet wurde... es sind Kleider und Gegenstände Fährmann. Das Volk muss versorgt werden und je weniger es sich um Kälte und Nahrung Gedanken machen muss, desto schneller kehrt hier wieder Ordnung ein."
    Der Elf kratzte sich nachdenklich am Ansatz der rötlichen Haare ehe er den Männern und Frauen weiter beim Abtransport der Kisten zusah. Er wurde unruhig als er durch einen kleinen Spalt etwas metallisches sah. Geschwind drehte er sich zu seinem Gesprächspartner um.
    "Sind das Waffen?!"
    "PSSSSSSSSSSSSSST!"
    Zischte es dem Rotschopf entgegen und er wurde etwas Richtung Schatten gezogen.
    "Nicht so laut Fährmann keiner soll das Wissen."
    "Was nicht wissen?... Das wir den Widerstand unterstützen? Emilio Fährmänner stehen Außerhalb der Politik... das hast du mir beigebracht."
    Der Elf wirkte ungehalten, fast schien es so als wolle er gleich losstürmen, um die Kisten allesamt in den Fluss zu schmeißen. Der bärtige Mann knurrte während seine Augen eine Note bekamen, welche kaum Widerspruch zuließ.
    "Wir Fährmänner STEHEN außerhalb der Politik DAS hier ist..."
    "... ist offene Meuterei gegen den Adel... gegen ausgebildete Kämpfer.",
    unterbrach ihn der Elf. Jener fügte an:
    "Und komm mir jetzt bloß´nicht mit, ein Fährmann erledigt auch dies und das.... Dies und das sind kleine Stichelein gegen unbedeutende Leute deren Ableben oder finanzieller Untergang keinen politischen Erdrutsch zur Folge... DAS DA!",
    er deutete auf die Kisten während er weiter sprach:
    "... ist angedrohter Völkermord, wenn man das Volk damit bewaffnet."
    Der bärtige Mann wurde ungehalten und packte den Elfen, obgleich Dieser einen Kopf größer war am Kragen und zog ihn zu sich hinunter.
    "Du kennst das Spiel Fährmann... mach jetzt hier keinen auf Moralapostel... und tu nicht so als ob dir irgendein Leben außer dein Eigenes lieb ist. Nicht einmal mir verrätst du deinen Namen. MIR. Der dich gerettet und in die Zunft gebracht hat! MIR...!"
    Der Elf im Wolfsgewand stieß Emilio mit Leichtigkeit Weg. Der gezückte drohende Zeigefinger in seine Richtung gestoßen, unterstrich seinem Unmut.
    "Meinen Namen kennen? Denkst du ich bin so dumm zu glauben du heißt Emilio? Ich kenne das Spiel denn ich habe vom Besten gelernt..."
    Stille.
    Dann lachte der Bärtige und seine Züge nahmen etwas weichere Konturen an.
    "Ich verstehe deinen Einwand Fährmann... aber Vertrag ist Vertrag... ich bin schon so lange ein Fährmann... das ich glaube nur noch eine Marionette bin..."
    "Dann durchtrenne die Fäden und nehme dein Schicksal wieder selbst in die Hand."
    "Das geht nicht... nicht mehr."
    "Wer ist der Auftraggeber?"
    Wollte der Elf wissen. Als die Antwort auf sich warten ließ ballte das Spitzohr die Hände zu Fäusten und raunte.
    "Wer verdammt nochmal ist der Auftraggeber Emilio?!"
    Doch noch bevor dieser Antworten konnte kamen zwei gerüstete Wachen die Treppen hinunter. In der Hand des einen lag ein Pergament, welches er ausrollte nachdem er auf dem Steg angekommen war. Dann begann er zu lesen.
    "Auf Geheiß der Stadtverwaltung und des Königreiches werden die Anlegestellen und Fähren bis auf weiteres konfisziert und festgehalten. Dieses Dekret ist mit sofortiger Wirkung in Kraft."
    Das Spitzohr sprach leise und seufzend:
    "Soviel zu... nicht genug Leute..."

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