Angst

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  • Damals rannte ich oft vor Angst davon und habe gedacht, sie macht mich schwach und zögerlich. Ich wollte keine Angst mehr fühlen und versuchte, mich gegen dieses Gefühl zu wehren.

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    Der Panther an meiner Seite legte die Hände auf die flache Mauer der Grenze des Kapellenviertels. Die Sonne schien ihre letzten Strahlen in einem goldorangenen Taint über die rote, hässlich reizende Stadt Calpheon. Ihr Blick war klar auf die Wachgruppen fixiert, die seit dem letzten Mord deutlich aufmerksamer durch die Stadt patrouilleren. Schon seit dem ersten Toten gab es mehr Wachgänge, doch das jetzige Aufgebot stellte ein wirkliches Problem dar.
    „Sieh sie dir an, Nachtgänger, sie glauben, sie sind die Katzen und du die Maus.“, verspottete der Panther die drei Männer in der schweren Rüstung, die sich weit unter uns befanden.
    „Solange sie derartig alarmiert sind, werde ich kaum weiter agieren können, ohne dabei mindestens gesehen zu werden.“, erwiderte ich leise.
    Da lachte der Panther leise und sogar schwach amüsiert wie kurz auf. Selbst sie, und viele andere, fast alle in der Stadt, wurden in bestimmten Bereichen kontrolliert. Allgemeine Unzufriedenheit machte sich breit, jedoch war die Angst noch größer, so machte noch keiner einen Aufstand. Und Angst sollten sie auch haben.
    Der Panther drehte sein Gesicht zu mir. Das perfekte Gesicht, an dem alles so saß, wie es sitzen sollte.
    „Das heißt auch, dass jedwedes Treiben, was mir so missfällt, auch erstmal eingestellt werden muss.“, begann sie und startete ihren Spaziergang, ich folgte ihr. „Wir haben also zusätzliche Zeit zum planen und suchen gewonnen.“
    Wie immer sah sie auch das Positive in dieser Lage. Was auch immer geschah, egal wie schlecht es aussah, der Panther verlor nie die Fassung und nutzte die Situation aus. Immer hatte sie einen weiteren Plan.
    „Was, wenn die, die wir suchen, die Zeit nutzen um zu fliehen?“, fragte ich während wir die lange Treppe hinunter zur Handwerkerstraße nahmen.
    „Es befinden sich ohnehin nicht alle in Calpheon. Die, die sich hier verkrochen haben, die werden ihr warmes Nest jetzt erst recht nicht verlassen. Nun können sie sich doch sicher fühlen.“
    Selbst auf den Treppen kamen wir zwei Wachmännern entgegen. Da die Nacht aber noch nicht hereingebrochen war, fiel die Kontrolle voerst weg. Und weil der Panther sie mit einem geübten Blick zu mesmerisieren schien. Sobald diese endlich außer Hörreichweiter waren, redete ich wieder.
    „Glaubt Ihr denn, sie sind so närrisch?“
    „Ich kann es dir nicht sagen, Nachtgänger. Mein Gefühl sagt mir, es gab nur zwei Drahtzieher und somit nur zwei Köpfe, die steuerten. Es wäre erfrischend erfreulich, wenn sich der zweite Kopf auch hier befinden würde. Doch die Beschaffenheit einiger Briefe an Kasi, die ich in die Finger bekommen habe, weisen daraufhin, dass sie über mehrere Tage transportiert wurden.“
    Ich wollte fragen, was in diesen Briefen stand und woher sie sie hat, aber wusste ich, das wäre zwecklos. Der Panther lässt mich nur die Dinge wissen, die ich zu wissen brauche.
    Auf der Brücke, die Handwerkerviertel und Handelsstraße verband, kamen wir zum Halt. Unser beide Blicke gingen auf den Demi. Den konnten sie schlecht kontrollieren, so war es der einzige Ort der Stadt, an dem keine Wache herumlief. Das dachte sich der Panther anscheinend auch, denn konnte ich sehen, dass sie sich bereits Pläne schmiedete, wie sie das effektiv nutzen kann.
    „Du wirst ein paar Tage stillsitzen, und ich will, dass du das bei deinem Söldner tust.“
    „Warum bei ihm?“, kam es ablehnender klingend aus mir geschossen, als es sollte.
    Mein Buch wohnte im Viertel der Armen und ich war mir sicher, er würde mich sicher nicht bei sich schlafen lassen. Nicht, nachdem der Panther ihn besucht und mich erwähnt hatte. Warum sie das getan hat, das verstand ich noch nicht.
    „Er ist ein perfekter Gefährte für jetzige Zustände. Überrede ihn einzig allein mit deinem Charme. Keine Bestechung, keine Drohungen, keine Drogen.“
    Der Panther verlangte da Unmögliches von mir, und ich habe das Gefühl, sie wusste das. Bisher aber hatte sie keinen Fehler gemacht, also zweifelte ich auch jetzt nicht an diesem Befehl. Ich spürte die kalten Augen von ihr auf mir, so traf ich ihren Blick. Ein Fehler, wie sich herausstellte. Sie konnte direkt sehen, was ich dachte.
    „Nur einer von euch soll in die angenehme Illusion fallen, Nachtgänger. Vergiss das nicht.“, erinnerte sie mich in einem Ton, der eine kalte Welle durch meinen Körper schickte.
    Wieder brach ich den Blickkontakt ab, und wieder war ich es, die zuerst das Weite suchte.


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    Damals rannte ich oft vor Angst davon und habe gedacht, sie macht mich schwach und zögerlich.
    Doch Angst ist es, die einen jeden am Leben erhält und an die notwendigen Grenzen treibt.

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