Ein unerfülltes Versprechen

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  • Wie lange war es eigentlich her das er zuletzt in dieser abscheulichen Stadt gewesen war? Er konnte sich nicht mehr genau daran erinnern, doch es kam ihm wie eine schiere Ewigkeit vor, als er zum letzten Mal diese kargen, aufeinander gehäuften grauen Steine zu Gesicht bekommen hatte. Altinova in war so vielen Dingen anders. Ob nun besser oder schlechter, lag wohl im Auge des jeweiligen Betrachters. Ryuokas Heimat war keines davon und doch fühlte er sich zu diesen Plätzen der Welt am meisten hingezogen. Es waren die verschiedenen Gesichter, die Ereignisse die ihn mehr als einmal in die Knie gezwungen hatten, ehe er sich mit einer weiteren Narbe und ein wenig mehr Dreck an der Kleidung wieder aufgerichtet hatte. Auch der Grund für sein Hiersein war einer Situation aus der Vergangenheit zu verschulden. Sein Gedächtnis hatte ihm etwas in Erinnerung gerufen. Ein 'Versprechen' das er vor einer Ewigkeit zwar gegeben, jedoch nicht eingehalten hatte. Und jetzt, nachdem er endlich die lang ersehnte 'Freiheit' erhalten hatte, wurde es Zeit die Leichen aus dem Keller zu schaffen... Und sich womöglich neue anzuhäufen.

    Die Abenddämmerung war bereits über Calpheon hereingebrochen und hatte sein rötliches Licht wie ein Tuch aus Seide über den grauen Stein verhangen. Die letzten Arbeiter und Händler die an den Ständen auf der Hauptstraße lagen, legten ihre Arbeit allmählich nieder und verstauten die verbliebenen Waren und Güter auf Karren, oder schulterten sie Säckeweise. Es war ein warmer Abend und dennoch fröstelte es den Exoten, der das hitzige Klima des rauen Mediah gewohnt war. Natürlich war die freizügig gehaltene Kleidung auch nicht unbedingt förderlich. Und vermutlich erntete er auch den ein oder anderen empörten Blick der letzten Stadtbewohner die seinen Weg kreuzten. Vielleicht erinnerte sich so mancher auch an den nicht unbedingt großen Mann der Jahre in Calpheons Gosse verbracht hatte. Im Grunde war er aber auch nur einer von Vielen gewesen die dort um ihr täglich Leben hatten betteln und kämpfen müssen. Umso erfreulicher war der Gedanke, das er all dies nicht mehr nötig hatte. Auch wenn der Preis dafür ein sehr hoher gewesen war.

    Das unergründliche Schwarz seiner Iriden hatte sich auf den zerknitterten Zettel in seiner Hand begeben um einen erneuten Blick auf die unleserlich gekritzelte Handschrift zu werfen, die er sein Eigen nannte - Ein grobe Wegbeschreibung, die er sich durch erfragen angefertigt hatte. Und als er in die nächste Gasse abgebogen war, erspähten die schmalen Augen auch schon das vermeintliche Ziel seiner Reise. Ein tiefer Atemzug, der seinen Oberkörper anschwellen ließ und die Luft erst wenige Momente danach wieder den Nasenlöchern entweichen ließ, dann hob sich seine locker zur Faust geballte Hand, um die Knöchel dieser mit dem Holz der Haustür kollidieren zu lassen. Ein weiterer Augenblick verstrich, ehe sich die Tür schließlich einen Spalt weit öffnete und der Mann in das blasse, von feurigen Strähnen umrahmte Antlitz der Einäugigen blicken konnte...

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