Ein dicker Fisch(Leihklinge - Teil 2)

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  • Wenn ich doch nur...diesen verfluchten...Fisch...endlich fange!
    Meine Gedanken, so wie auch der Rest meines Körpers, befanden sich in Rage als ich diesem lächerlich fetten Fisch mit meinem Schwert hinterherstach. Doch aus mir unbekannten Gründen war dieses Ding schneller als gedacht.
    Mit steigender Wut aber wurde ich schneller und bald schon war dieses Fettvieh aufgespießt und ich musste es nur noch hinausziehen, worauf ich den Kopf meines Gegners nochmal auf den Stein knallte. Jetzt war dieser Fettfisch wirklich tot.
    "Sieh doch nur, Raye, all die Farben dieses Landes!", schwärmte der junge Händler, wessen Name Harlin lautete.
    "Du könntest auch mal etwas Nützliches tun.", erwiderte ich noch etwas gereizt dieses Fettfisches wegen.
    Seit einer Woche reisten wir zusammen, und eigentlich hätten wir längst in Calpheon-Stadt oder sonstwo, wo auch immer er hin wollte, sein können. Leider haben wir uns...verirrt.
    Verirrt oder er reist absichtlich länger mit mir weil er immer noch glaubt, ich habe Interesse an ihm.
    Jetzt gerade befanden wir uns irgendwo nahe an der Küste, sind Richtung Osten gereicht...glaubte ich jedenfalls. Für mich sah alles noch immer aus wie das Umland von Velia, vielleicht etwas steiniger und rauer...und nerviger mit all diesen seltsamen Gestalten, besonders diesen...Goblins?
    Waren es Goblins? Vielleicht waren das einfach nur unmenschlich hässliche Menschen?
    "Aber ich würde dir vermutlich nur im...", erstummen tat er, als er den fetten Fisch in orangeweiß sah. Und rot. Viel rot. Blutrot, um genau zu sein.
    "Was? Das ist unser Essen. Vorher hast du auch Fisch gegessen.", begann ich meine Defensive. Mehr für mich dann, oder?
    "Dieser Fisch musste uralt gewesen sein! Wie konntest du ihn so herzlos abschlachten?!"
    Lustig, er weiß sehr wohl, dass ich Menschen in zwei teile aber regt sich dann über einen Fisch auf.
    Da ich nicht über mein Essen diskutiere, oder über jemand...oder etwas Totes, zuckte ich nur mit den Achseln und begann mit der Suche nach Feuerholz.
    Um uns herum war nur grün, blau, gelb und noch mehr verfluchtes blau. Wenn wir wenigstens auf einem Weg geblieben wären, aber nein, der liebe Herr Händler wollte unbedingt die Aussicht auf das Meer von den Klippen genießen. Narr.
    Die Sonne warf ihren Abschied für den Tag in einem zugegeben hübschen orange auf das Meer, welches dieses 'Auf Wiedersehen' freudig zurückwarf. Ruhig sollte das Meer sein, aber davon bekam ich nichts mit, denn der Wasserfall machte Krach wie ein und einhalb Tavernen einer Stadt. Einen Moment nahm ich mir um einfach dort zu stehen und hinaus auf das Meer zu starren. Ein fernes Schiff segelte durch Wellen, vermutlich um für Unruhe zu sorgen sobald es angekommen ist. Leider wurde mein Moment schnell unterbrochen als ich das Knacksen eines Astes hinter mir hörte. Mein Schwert war bereits halb aus der Scheide, da sah ich nur den rot angelaufenen Händler vor mir.
    "E-entschuldige. I-ich wollte dieses Bild in meine Gedanken einbrennen."
    Jetzt geht er aber auf's Ganze. Was habe ich denn bitte getan, dass sein Interesse erweckt hat?
    "Du kannst den Fisch nicht unbeaufsichtigt lassen. Hier laufen komische Tiere rum.", tadelte ich ihn locker während ich selbst den Weg zurück anpeilte.
    Wortlos und voller Scham folgte mir der junge Händler also wieder zurück zu unserer Raststelle am Fluss. Und der Fisch war weg. Eine Blutspur ließ mich vermuten, dass ein wildes Tier sich unser Essen gekrallt hat.
    Diesem Tier werde ich etwas Wildes zeigen.
    Also nahm ich die Verfolgung im Laufschritt auf.
    "Hey Raye! Was wenn es ein Wolfsrudel oder sowas ist!", rief Harlin, der versuchte mit mir mitzuhalten.
    Ein Wolfsrudel in der Nähe hätte ich bemerkt, also war das Unsinn, was er vermutete. Was ich aber nicht erwartet hatte, dass war die Falle, in die ich beinahe hineingestolpert war.
    So einfach ist das nicht.
    Vor mir lagen ein paar zu viele Blätter übereinander. Ein verstecktes Loch. Jemand hatte uns also beobachtet und ich habe es nicht bemerkt. Sehr schlecht. Noch schlechter war nur eines: Ich hörte Harlin nicht mehr, und er sollte sich hinter mir befinden. Mit dem gezogenen Katana schlich ich lautlos zurück, bereit auf jeden Angriff. Jede Faser in meinem Körper spannte sich an, meine Sinne intensivierten sich, meine Kampfeslust stieg.
    Bis zu dem Lager schaffte ich es ohne Vorfall zurück, doch niemand befand sich dort und unsere Rucksäcke verblieben unangerührt. Das erste Geräusch aus dem Wald vernahm ich dann, worauf ich mich sofort nach hinten drehte. Nicht einer, auch nicht zwei, sondern direkt sechs lumpige Männer tauchten hervor. Sie alle hatten sich getarnt, angepasst an die Gegend, sie alle trugen Waffen. Zwei improvisierte Speere aus Stein und Holz, einer lediglich ein Messer und die anderen drei Kurzschwerter. Die Frage, wo Harlin sich befindet, erübrigte sich ebenfalls, denn der Kopf des jungen Händlers hielt der Größte von allen hoch. Ein großer Mann mit dunkel gebräunter Haut, einem Vollbart samt langen Haaren in grau. Er sah aus wie ein Wilder.
    "Dein Schicksal wird ganz anders aussehen, meine Hübsche. Du wirst nicht so schnell sterben."
    Der Gesichtsausdruck von Harlin zeugte von Entsetzen, Angst und Verzweiflung. Ein Junge...ein Mann der mich scheinbar liebte und noch viel Gutes in der Welt gesehen hat, derartig brutal ermordet. Verdient hatte er dies nicht.
    Im nächsten Wimpernschlag konnte ich sie sehen: Die Linien auf den Körpern dieser Wilden. Die Linien, die mir den Weg wiesen. Die Linien, die die Schwächen des Körpers offenbarten, dort, wo ein Schnitt der tödlichste ist.
    "Nein...", begann ich, atmete tief ein und aus, festigte meinen Stand, sah den Kampf vor mir...und grinste. "...werde ich nicht."

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