Artikel aus der Kategorie „Charaktergeschichten“ 92

Hintergrundgeschichten und fortlaufende Entwicklungen von Charakteren.

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen


  • Zurück


    Valencia am Nachmittag,
    Haus Nr. 78, oberhalb des Wassergartens

    Mein Kopf liegt ruhend nach hinten geneigt und ich beobachte die langsam zur Decke aufsteigenden Hitzeschwaden des dampfenden Badewassers.
    Nun bin ich wieder hier. Hauptstadt des Ostens. Feste der Wüste. Oase der Durstigen. Valencia.
    Ich habe die einst so verfluchte Stadt nicht mehr gesehen, seit ich damals mit dem Schiff Richtung Westen aufbrach. Doch dieser Ort hat sich in all der Zeit verändert. Zum Guten oder zum Schlechten? Davon konnte ich mir noch keinen Eindruck verschaffen.
    Ob es noch die alte Lehmhütte von damals gibt?

    Als ich mit der Kutsche der Bergbaugilde hierher kam, mietete ich mir direkt Räumlichkeiten in Valencia an. Weitab der Hauptstraßen, im verzweigten Wirrwarr der Gassen des „Scharlatanviertels“. Wahrsager nennen sie sich...pah, die meisten von ihnen sind Betrüger und die wenigen, die jene Kunst verstehen, meiden mich, als könnten sie hinter diese fleischliche Hülle sehen.

    Ich schließe
    [Weiterlesen]
  • Frostiges, azurnes Augenlicht, verfolgte stoisch die malerischen Schnörkel des blutenden Mahlstroms, eingefangen im fragilen Behältnis, sanft geschwungenen Glases. Sie trank zu viel Wein. Natürlich. Und doch, gemessen an den ausufernden Eskapaden vergangener Tage, Monate oder gar Jahre, entsprachen ihre Verhaltensweisen mehr oder minder der üblichen Norm. Der lebhafte Sturm zog träge weiter und fing das im Aschenbecher verendende, kokelnde Kraut ein. Auch jenem Laster, frönte der wankelmütige Rotschopf indessen, deutlich weniger exzessiv. Der Wandel, warf seinen massiven Schatten, nahezu über jede Marotte ihres bisherigen Seins. Omnipräsenter Zorn, unstillbare Gier nach arkanen Relikten oder die verzweifelte Odyssee, das schäumende Raubtier ihres Hexenblutes mit ausreichend Magie zu speisen, ehe Alexis gänzlich den Verstand einbüßte.


    Einiges hatte sich verschoben. Nicht nur ihre gängigen Attitüden, auch das Umfeld der Hexe, ihre Sicht auf die Hürden des Lebens, vor allem aber,… [Weiterlesen]


  • Ankunft im Hause Ceos

    Die Kerzen brannten in Xellesas Räumlichkeiten noch bis spät in die Nachtstunden hinein. Konnte man doch annehmen, dass sich die Frau ausgiebig ihre Räume ansah, nachdem sie seit über ein halbes Jahr im Dunklen gelegen haben und sich der Mantel der Zeit in Form des Staubes auf alles niederlegte.

    Der Morgen ist angebrochen und allmählich dringen die Sonnenstrahlen durch die Ritzen des Holzes der verschlossenen Fensterläden. Xellesa liegt schlafend vornüber gebeugt auf ihrem Schreibtisch. Unter ihrer Wange liegt ein beschriebenes Blatt Papier. Sie musste ihre Sinneseindrücke und Erfahrungen niederschreiben. Sich sortieren, Erkenntnisse herausfiltern.

    Langsam erwacht die Frau aus ihrem tiefen Schlaf. Sie fasst sich stöhnend an den Kopf. Die Schlafhaltung sorgte bei ihr über Nacht für unangenehme Kopfschmerzen. Xellesa schaut auf das Papier hinab und streicht für einen Moment über ihre eigenen niedergeschriebenen Worte.



    22. Eismond 284

    Es fühlt sich so
    [Weiterlesen]

  • Was einer denkt, ist in aller Regel der Abglanz irgendeines Konstrukts im Verstand, das auf die Welt projiziert wird. Dann schablonieren die Gedanken und werden zu einer Wahrnehmung, die ganz eigenartig eingefärbt ist. Mit Klang vielleicht, gelegentlich Musik. Hier und da überwirft sie sich mit einem vergessenen Duft und dem Geschmack von Erinnerung, ersetzt ihn mit der Vorahnung von: von. Von Zukunft. Sehnsucht. Und diesen Dingen, denen hungrige Herzen folgen und von denen keiner weiß. Wer gibt auch gerne seine Armut zu. Der Bursche da im schnieken Anzug vielleicht, dessen Bolotie lächerlich wirken musste, denn eine Schnürsenkel-Krawatte war immer noch etwas, das nicht jeder trug, und wenn, dann unterstellte man ihm schlechten Geschmack - oder aber Stil. Trug eine Weste über dem verblichenen Nadelstreifenhemd. Abgewetztes Leder lugte unter der aschgrauen Denimhose hervor, und wirkte so, als hätte es vergessen wertig zu sein.


    Der vermeintliche Schnösel aber riss an seinem Bild,
    [Weiterlesen]
  • Heimat.. Ein seltsames Wort für einen Ort, an dem man sich nicht mehr wirklich zuhause fühlt. Sicher - man wurde in gehobene Kreise geboren. Reichtum, Einfluss, Macht - all das ist durchaus vorhanden. Eine schöne Heimstadt, Diener, Familie. Und doch..



    .. und doch sind die strahlenden Fassaden der schlanken Türme, die mächtigen Mauern und Tempel, die Farmen und Schmieden von etwas beseelt, das man nur als .. verkommen .. bezeichnen kann. Als Adelige hinein geboren in diesen Sumpf aus Intrigen, Machtspielen um Einfluss und Reichtum gab es nur eines, was einen davor bewahrte ein rasches und unrühmliches Ende an der Spitze eines vergifteten Dolches zu finden: Training, Disziplin und stetige Wachsamkeit.


    Es war wieder einer dieser Tage. Ich kam grade aus dem Tempel, Unterricht in den Lehren Vedirs, als mich meine ältere Schwester schon am Eingang zum Anwesen abpasste. Mit einem selbstgefälligen Lächeln stand sie angelehnt neben dem Tor, ihre Rüstung und Waffen tragend. Ich wusste[Weiterlesen]
  • Vom 07.12.2016


    Das leise Knarren der Tür der Gaststube im Wirtsbereich ließ Valeria hochschrecken. Sie fuhr sich über die Augen. Sie hatte nicht geschlafen. Sie hatte bestimmt nicht geschlafen.
    Sie wäre nämlich doch irgendwie ganz arm dran, würde sie beim Warten aufs Elionsfest einschlafen.
    Wahrscheinlich hatte sie wirklich nicht geschlafen. Ein Glas Würzwein stand unberührt am Tresen vor ihr.
    Maelle, eine hochgewachsene Frau mit Haut wie aus Marmor und honigfarbenem Haar trat herein. Sie war schlichter gekleidet als sonst,
    trug ein einfaches, dunkelblaues Kleid, einen Mantel, die langen Haare locker im Nacken hochgebunden.
    Valeria betrachtete ihre beste Freundin schweigend; Maelle war sicher im gleichen Alter wie sie, nur ganz wenige, kaum erkennbare Lachfältchen
    zeigten sich um ihre grünen Augen, wenn sie sprach.
    „Da bist du ja.“
    „Natürlich.“, erwiderte Valeria und lächelte flüchtig.
    „Weißt du…“, Maelle zögerte, ehe sie tief Luft holte und ernst nickte, eine Hand in die
    [Weiterlesen]


  • Glisch am nächsten Morgen

    Xellesa Ceos erwacht ruckartig aus ihrem Schlaf. Ihr Herz schlägt stark pochend unter der nackten Brust, welche wie auch ihr gesamter Körper von einem dünnen Schweißfilm benetzt ist. Sie setzt sich auf, orientierend. Die dünne Decke schmiegt sich dabei klebend um ihre Haut. Fahl scheint die Sonne durch die dünnen Nebelschwaden um Glisch herum in das Zimmer und erhellt lediglich die Bereiche um die Fenster, während der Rest des Raumes stellenweise im Schatten liegt.
    Ein ziehender Schmerz lenkt ihre Aufmerksamkeit auf ihren linken Unterarm, welcher mit sauberen Leinen verbunden ist… Nhouria. Sie ist wieder zurück, bei Bewusstsein. Schlafend. Xellesa wird nachher nach ihr sehen.
    Langsam fährt sie sich durch die roten, mittellangen Haare und sucht mit ihren grauen Augen den nebeligen Horizont hinter den Fenstern ab. Aus dem Fenster blickend verweilt sie einen Moment, ehe sie sich aufrichtet und die Decke um ihren nackten Körper schlägt.
    Der Körper der nicht
    [Weiterlesen]
  • Vom 31. August 2016

    Als der Wind sich drehte und eine Welle beißender Kälte durch das halb geöffnete Fenster der kleinen Wohnstube trieb,
    wusste Valeria, dass Amadeus auf dem Weg zu ihr. Bereits schon Stunden vorher war die Dunkelhaarige angespannt auf und ab gegangen,
    hatte aus dem Fenster gestarrt und an ihren Fingerspitzen gespielt, hatte gehofft, Balthasar würde rascher wieder von seinen
    Angelegenheiten zurück sein, wo er doch wusste, wie ungern sie zurzeit alleine war. Wie in der Einsamkeit die Wände fast
    unaufhörlich näher rückten und sie gefangen hielten wie ein Tier in der Falle.
    Das Klopfen war fast lautlos.
    Valeria öffnete die Tür und trat einen Schritt zurück; sie wusste, es hatte keinen Sinn, so zu tun, als wäre sie nicht da.
    Amadeus blieb für einige Momente wie ein alter, unverschämt talentierter Schauspieler posierend auf der Schwelle stehen.
    Nachdem er eingetreten war, sich umgesehen und falsche Komplimente gemacht hatte, ließ er sich breitbeinig auf einem der
    Stühle… [Weiterlesen]
  • Vom 07.08.2016

    „Hey“, sagte er und lächelte, als sie bei ihm angekommen war.
    Er war überrascht, aber sie hatte sich doch tatsächlich umgezogen – wer hätte das gedacht – und trug ein dunkelblaues Kleid und die braunen
    Haare zurückgeflochten, und obwohl es stark mit den müden, dunklen Augen und den Wangenknochen kontrastierte, passte es zu ihr.
    Sie wagte es nicht, ihm einen fragenden Blick zuzuwerfen.
    „Wunderschön.“, antwortete Balthasar trotzdem und grinste. „Und auch noch gekämmt. Ich gehe mit der schönsten Frau weit und breit zum Abendessen.“
    „Ich geb’ dir gleich gekämmt...“, knurrte Valeria und verschränkte die Arme vor der Brust, er schmunzelte, aber er sagte nichts weiter, und dann gingen sie nebeneinander her.
    Die Sonne stand tief am Horizont und nur die Wolken bewahrten Valeria vor dem klebrig aufdringlichen Gefühl eines kitschigen Sonnenuntergangs.
    Sie hasste Sonnenuntergänge.
    Sie waren immer so entsetzlich unangemessen.
    Heimlich fror sie. Sie hatte dieses dünne Kleid… [Weiterlesen]
  • Das helle Geräusch der Absätze ihrer Stiefel hallte dumpf wieder, vermischte sich mit dem unterdrückten
    Kichern und dem unbeholfenen Flüstern Verliebter, die zusammen auf der Brücke Calpheons spazieren gingen.
    Valeria beobachtete sie, ohne ihren Schritt zu verlangsamen.
    Ein junger Mann mit großen blauen Augen versuchte die Hand eines Mädchens zu ergreifen; sie lachte nur
    und entzog sich seinem Griff spielerisch. Valeria wandte den Blick ab und zog den Mantel enger um ihren
    Körper. Ihre schmalen Hände krallten sich in den alten Stoff.
    Sie war gekommen, um die Asche von Liraz zu holen.
    Zugegeben, nachdem die junge Frau verschwunden war, hatten sich ihre Bemühungen, herauszufinden,
    wo und bei wem sie untergekommen war, in Grenzen gehalten. Erst, als sie fast zwei Wochen nicht mehr
    im Armenviertel anzutreffen gewesen war, hatte sie nach ihr gefragt. Und dann, als eine der anderen Huren
    von einem toten Mädchen im Fluß erzählte, wusste Valeria, dass es zu spät war.

    Natürlich hatte sie das… [Weiterlesen]