Artikel aus der Kategorie „Charaktergeschichten“ 105

Hintergrundgeschichten und fortlaufende Entwicklungen von Charakteren.

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  • Der blonde Hühne stand über dem Kerl, der regungslos vor ihm auf dem Boden lag und schaute zu ihm herab.
    Eine Lache, die im schwachen Mondlicht, Dunkelrot ja fast schon Schwarz zu sein schien, breitete sich langsam auf dem, noch gefrohnenen Boden aus. Obwohl sich der Winter langsam dem Ende zuneigte, war es in dieser Gegend immernoch eisig kalt und es lag Schnee auf den Wegen und Häuserdächern.

    Langsam drehte der Hühne mit der wilden blonden Mähne, die durch ein ledernes Band um die Stirn davon abgehalten wurde ihm ins Gesicht zu fallen, den Kopf in Richtung der Frau die wimmernd auf den Knie sass und nun erschrocken zu ihm hoch sah. Sie war noch sehr jung, knappe 20 Sonnenzyklen alt. Das schwarze Haar das ihren Kopf zierte war zu einem Zopf geflechtet. Das weisse Unterkleid und der grüne Überwurf den sie trug wurde bei dem Angriff etwas in mitleidenschaft gezogen worden. Es war schmutzig und an den Ärmeln leicht eingerissen. Ihre feinen Gesichtszüge und die blauen verweinten… [Weiterlesen]
  • Brennender Schmerz forcierte eine unfreiwillige Grimasse. Alexis fühlte die stumpfen Klingen, welche im Drill einer Ameisenmiliz über ihre aufgerissene Haut marschierten. Absurderweise, vermochte die Schwarzhexe jener Wahrnehmung etwas Positives abzugewinnen. Diese Pein war real und Alexis erlebte sie als willkommene Variation zu den expressiven Turbulenzen, unter deren Würgegriff sie jüngst zu ersticken drohte. In stummer Lakonie, verfolgte das kalte Eis der Augenlichter, wie austretendes Karmesin die azurnen Fluten des malerischen Weihers in dunkles Rot sprenkelte.


    Er hatte sie verlassen. Nun, keineswegs freiwillig, soviel wusste der Rotschopf immerhin. Und wie fiel Alexis Reaktion aus? Sie zog unter wehenden Fahnen ins Gefecht. Dogmatisch lehnte sich die Hexe gegen das vermeintliche Übel auf. Ihr Körper mutierte zum abstrusen Schlachtfeld. Eine unwirtliche Kraterlandschaft verunstaltete den gebräunten Teint. Krallenspuren speisten die Weide ihres Rückens, bedeckten partielle[Weiterlesen]
  • Der letzte Tag

    ~

    "Schlaf jetzt" Doch er konnte nicht. Sie schlossen beide die Augen, indes dämmerten sie einzig, wie in einem Fiebertraum, der nie ein Ende fand. "Morgen noch...nur noch morgen, ich verspreche es." die Kraft, hatte Brias Stimme längst verlassen, ebenso wie ihre fleischliche Hülle. Sie war die Göttin seiner Kindheit gewesen, makellos. Ihr wundervolles, wildes Haar, das kurz geschnitten von ihrem Kopf ab stand, erinnerte ihn an die Sonne. Die blauen, tiefen Seen in ihrem Gesicht, lachten ihn im Schalk an, wenn sie ihn mitnahm auf ihre Streifzüge, auf denen sie Feldmäuse durch die Gräser jagten und ihre Münder mit süßen Beeren vollstopften. Er blickte zu ihrer Größe auf, ihrer Stärke und Warmherzigkeit, während er stets versuchte, zu sein wie sie. Nun jedoch, zerfiel die Sonne zu Asche, das glitzern der Seen ermattet und ihr starker Körper, dünn und kühl. Immer wieder sagte sie ihm, er müsse nur noch einen Tag durchhalten; dann den nächsten und den
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  • Der Boden erbebbte und ein stechender Schmerz in ihrem Arm holte sie aus der Bewusstlosigkeit. Beim Luftholen rasselte ihr Atem, dicke Dunkelheit umgab sie. Dabei träufelte ihr langsam die Erinnerung an die wilde Flucht zurück ins Gedächtnis, die Hetzjagd über die Felder, die geifernden Mähnen... und die Höhle. Die Höhle! Sie musste eingestürzt sein, dachte sie panisch und fing am ganzen Körper an zu zittern. Statt gefressen zu werden, würde sie nun jämmerlich ersticken. Die Verzweiflung in ihr, vertrieb sogar einen Augenblick das pochen ihrer Schnittwunden. Ihr Atem beschleunigte sich und stand sie kurz davor zu hyperventilieren. Sie rüttelte an ihrem Arm, aber schien dieser eingeklemmt und ließ sich nur minimal anheben. Keuchend schnappte sie nach Luft.

    "Setz deinen störrischen Arsch wieder in Bewegung, sonst kommen wir nie an!", klang es wehleidig auf einmal gar nicht weit über ihr hervor. Nicht gedämpft wie durch meterdicken Erdboden, sondern hell und klar, als wäre da jemand
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  • Sie hätte sich nicht umdrehen sollen. Sie wusste es war falsch.


    Es war der erste Gedanke der ihr durch den Kopf schoss, als das Feld vor ihr in erdrückender Dunkelheit versank. Dennoch wurde Sie nicht langsamer, denn die tanzenden Fackeln auf dem nahen Hügel kamen immer näher. Ein Fehler von vielen den Sie in dieser Nacht begangen hatte. Eine hervorstehende Baumwurzel wurde ihr zum Verhängnis, bevor Sie auch nur Schreien konnte, schlug sie längs auf die staubige Erde.


    Rufe erschallten nun dichter als zuvor und Hundegebell war deutlicher zu vernehmen. Mühsam zog Sie sich an einem größeren Stein hoch, während der Schmerz sich wie ein Borkenkäfer durch jede Faser ihres Körpers zu fressen schien. Blinzelnd schaute sie auf ihre Hände und konnte immer noch das Blut daran fühlen. Es war zu dunkel um es zu sehen, aber sie wusste es war da. Nicht ihr eigenes, drängte sich eine mahnende Stimme in ihr Gewissen.
    Sie rannte weiter.


    Ihr Atem pfiff in der kalten Nachtluft und das pochen ihres[Weiterlesen]

  • Opfer

    ~

    "Kannst du das tun?" Wiederholte Sinding mit seinem rauen, unbezwinglichen Timbre, welches sich wie ein wilder Gebirgsfluss, durch harten Fels hindurch graben konnte und nichts, als blank gescheuerten Stein hinterließ. Zurecht, wollte der Kommandant, diese Frage beantwortet wissen, stand nun alles, was sie erreicht, auf Messers Schneide. Alles was sein Bruder getan hatte vergebens; was er noch zu tun gedachte, in Gefahr zu scheitern. Auf jenen einen Augenblick, hatte nicht nur Sinding hin geplant, sondern auch Raphael. Sie waren große Wagnisse eingegangen, um allein an diesen Punkt zu gelangen. Die Zweigstelle in Heidel, war nie gut mit Calpheon aufgestellt gewesen, doch die jüngsten Taten des Präzeptors, hatte einen stille Glut gesät, dessen rotes lohen, mehr und mehr durch die schwarzen, bitteren Kohlen ihrer Zusammenarbeit brachen. Natürlich hatte Heidel den Präzeptor davor stets für den arroganten, gleichwohl harmlosen Mistkerl aus Calpheon gehalten. Er war für den
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  • KiRSCHE & KOHLE


    ange schwebte die Hand vor dem ausgeblichenen Holz der Tür, wartend, leicht zitternd, obwohl das Gesicht Heathers eine ausgeglichene Ruhe ausstrahlte. So oft war sie Hinweisen gefolgt die sie im Nachhinein doch nur ins Nichts geführt und nicht ansatzweise ihrem Ziel ein Stück näher gebracht hatten. Erwartungen waren ihr demnach schon lange fremd, und dennoch fühlte es sich diesmal anders an. Wie lange war sie nun schon auf der Suche? Die Zeit verlief so unregelmäßig wie eine unbändige Stromschnelle, die sie ohne Gnade mit den kühlen Wellen packte und mitriss. Manche Tage fühlten sich wie Wochen an, und dann verstrichen wiederum Monate wie Stunden. Die Zeit spielte mit ihr, trieb ihre Scherze mit ihr. Doch über ein Jahr nun sammelte sie schon Informationen und Hinweise, da war sie sich sicher. Über ein Jahr hielt sie an dem kleinen bisschen Hoffnung fest, was sich wie ein Nagetier in ihrem Schädel verkrallt hat, und einfach nicht ruhen möchte. Und diese… [Weiterlesen]
  • "Es müssen wirklich dumme Frauen sein, die immer noch auf der Suche nach dem Einen sind."
    "... was meinst du damit?"
    "Es gibt ihn nicht. Den Einen. Ich habe sie alle kennen gelernt, Priester, Händler, Grafen, Schurken, Bauern und sie sind alle gleich.
    Sie sind alle gleich, sie sind alle gleich, sie sind alle..."
    "Valeria. Ist schon gut. Komm her."
    "Ich bin so dumm. Ich bin so schrecklich dumm! Er wird mich hassen. Er wird..."
    "Shhht. Ist schon gut. Manchmal kommen die Dinge anders als man denkt."

    Und Valeria hatte ja nicht geahnt, wie Recht Maelle damit behalten sollte. Die braunhaarige Frau stand am Fenster der kleinen Holzhütte und
    starrte nach draußen, dem aufziehenden Morgen entgegen. Sie lächelte leicht. Es war sicher gut ein halbes Jahr her, seitdem sie Maelle das
    letzte Mal gesehen hatte und der Stich in ihrer Brust, der ihr deutlich machte, wie sehr sie ihre beste Freundin vermisste, wurde täglich stärker.
    Oh Maelle. Manchmal kamen die Dinge wirklich anders als man… [Weiterlesen]


  • Gedanken
    25. Eismond 284

    Ich lehne nachdenklich am hölzernen Fensterrahmen und blicke hinaus in die Morgendämmerung. Die Luft in meinem Schlafgemach hängt noch schwer im Raum. Zeuge der vielen vergangenen Stunden, besser gesagt Nächte. Es sind nun einige Tage seit meiner Ankunft im Hause Ceos vergangen. Und es ist viel passiert.

    Nun stehe ich hier, nach Monaten meines Verschwindens und versuche meine Gedanken zu sortieren. Meine Eindrücke und meine „neuen“ Erfahrungen zu ordnen. Der Druck durch die Last in meinem Kopf ist dem Zerbersten nahe. Ich sollte dies niederschreiben… nachher.

    Ich blicke zurück zu den zerwühlten Laken meines Bettes. Khaled ist vor wenigen Minuten aufgebrochen. Er sagte, er habe noch etwas Geschäftliches zu regeln.

    Khaled, mein geschiedener Ehemann, Vater meines Sohnes Erijon und meiner Tochter Leyla.
    Er war aufrichtig zu mir. Sagte mir die ungeschönte Wahrheit über seine, aber auch über meine Sünden. Meine Gedanken kreisen immer noch um seine Worte.

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  • es gibt keinen Himmel. Es ist leicht, wenn du es vermagst. Kein Fegefeuer unter uns, über uns nur das Firmament.", der Mann macht eine bedeutungsschwangere Pause. "Und wir beide wären jetzt nicht hier!"
    Seine Stimme ist gedämpft von der Maske über seinem Gesicht, aber es ist nicht sein Anblick, das Antlitz eines Schwarzgeistes, das den fetten in feinste Roben gewandeten Kerl so eine Heidenangst einjagt. Auf dem Boden festgepinnt, geknebelt auf geweihtem Grund ist sein Ordinatsgewand am Bauche aufgeschlitzt und seine priesterliche Wampe schwabbelt zuckend hin und her. Was ihm wirklich Angst einjagt, ihn mit Panik und Terror erfüllt ist die Ratte, die in einem kleinen Käfig ohne Boden direkt auf seinem Bauche herumtippelt und die Tatsache, daß der Mann mit der Schwarzgeistmaske langsam und feierlich, als würde er eine heilige Messe vorbereiten, Reisig und kleine Hölzer auf dem Käfig anrichtet.
    "Ergötzt und bereichert hast du dich am Leid der Armen und Unschuldigen.", säuselt der Mann… [Weiterlesen]