Artikel 147

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  • Auf der staubigen, vollen rotbraunen Straße Altinova's war es geschäftig wie eh und je. Trotz der immer schlechter werdenden Stimmung und schwindenden Reichtums der Stadt verirrten sich unzählige Reisende und Händler hier her. Immer wieder wurde mir zugewunken oder zugenickt während ich diese verflucht schwere Kiste durch die Stadt hinüber zum Hafen transportiere. Wie üblich schickte mich der zwergische Schmied, den kaum einer wirklich leiden konnte, dort hinunter um die bestellten Waren da abzuliefern.
    "He Line, sag'm Zwerg doch ma', dass er sene Lief'rung selbst trag'n soll.", rief ein Wachmann, Krus, als ich an ihm vorbeimusste.
    Der Wachmann kam so langsam in die Jahre, was seine ausgeprägten Krähenfüße und weißen Ansätze im Bart und Haar deutlich klar machten. Er arbeitete immer am gleichen Platz schon seit ich vor vielen Jahren nach Altinova kam. Ein eigentlich freundlicher Mann, wenn er nicht gesoffen hat. Dann wurde er hitzköpfig und unter anderem auch sehr lebhaft was
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  • „Ich will eines Tages die Welt sehen, ich will Abenteuer erleben!“ (*)

    Als ich diese Worte sprach, lag ich als Kind in meinem Bett und blickte durch das Fenster zu den vielen leuchtenden Sternen im Himmelmeer weit droben über meiner Heimatinsel, Illya. Sie leuchtenden so unendlich weit entfernt und doch schienen sie immer nach mir zu rufen.

    Aber dann zog meine liebe Mutter meine Bettdecke höher und sagte nur: „Ach, kleine Maus. Eine Shai erlebt keine Abenteuer in der großen weiten Welt. Dort ist es gefährlich und gar nicht schön. Deine Heimat ist Illya, dort lebt deine Familie schon so lange in Ruhe und Sicherheit. Hier ist dein Platz, so wie der meine und der meiner Mutter vor mir und vor der. „
    Dann folgte immer die Geschichte unserer Familie und all unserer Ahnenfrauen, welche wichtige Aufgabe wir hier zu erfüllen haben in der Gemeinschaft der Insel. Jeder hat seinen Platz und der meine schien schon weit, weit vor meiner Geburt wie ein Tau festgezurrt zu sein.

    Wenn ich an meine… [Weiterlesen]
  • Zu jenem Zeitpunkt war die Nacht jung. Der Sternenhimmel schien klar und im Königswald, westlich der Stadt Heidel, kam die Ruhe herbei.
    Attorius, ummantelt in der Stahlrüstung vom Hause Verus und bewaffnet mit Bastardschwert, Dolch und einer brennenden Fackel, stand nahe der Klippe mit dem wachsamen Blick auf die Landschaft am südlichen Demiflussufer. Das Augenpaar des jungen Ritters schloss sich, als Schritte in den Gräsern zu hören waren und die Äste am Boden knackten. "Du hast die Bewegungen der Dunkelheit auch vernommen, Vater? Die Schwarzmagie, die Fäulnis und die Vorboten sich nähender Feinde?" Mit einem ruhigem und doch nachdenklichen Ton entkamen die Worte dem Lippenpaar.
    Augustus, welcher wie Attorius umgeben von einer blanken Stahlrüstung vom Haus Verus war, hatte als einzige Bewaffnung einen Dolch mit sich. Auch dessen linke Hand trug die flackernde Fackel. Die älteren, tannengrauen Augen blickten zum Sternenhimmel empor. "Schon vor zwei Tagen." Sprach der ältere Mann es… [Weiterlesen]



  • K
    apitel 1


    Vor einigen Tagen. Kühle Luft, blauer Himmel und die unbarmherzig stechende Sonne. Wo man auch hinsieht, besteht der Horizont aus Meer, Himmel, Meer und mehr davon. Es ist nahezu windstill und ein großes Schiff treibt gemütlich übers Wasser. Das Holz knarzt bei jeder noch so kleinen Welle und die Besatzung genießt die Ruhe. Nur unter Deck tümmeln sich ein paar Ratten und mittendrin wälzt sich eine junge Frau im Traum hin und her"
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    "Dac. Hey Dac! Beruhig dich. Du träumst schon wieder!"
    Die angenehm vertraute Stimme des Matrosen bringt mich wieder in die Gegenwart zurück. Schon wieder dieser eine Traum... Benommen blinzle ich und werde mir meiner Umgebung bewusst. Mir entfährt ein wohliger Seufzer, als der junge Mann mir seine kühle Hand auf die Stirn legt.
    "Ich mache mir langsam ernste Sorgen um
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  • PROLOG

    Vor etwa 15 Jahren. Ein heute längst abgebranntes Landhandelskontor. Irgendwo bei Calpheon kurz nach Mitternacht. Vorbeiziehende sahen Licht im Obergeschoss und hörten die Stimme eines aufgebrachten Mannes.
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    "Du bist nicht wie sie und wirst es auch niemals sein!"
    Seine Worte waren scharf. Wie ein Peitschenschlag trafen sie mir mitten ins Herz und hinterließen dort eine schwelende Wunde. Schlimmer jedoch war der Schmerz der Erkenntnis, dass er Recht hatte. Ich konnte ihr nicht das Wasser reichen und werde es niemals können. Egal, wie sehr ich mich bemühen würde.
    "Das hier ist verrückt. Du bist verrückt und deine ganze, verdammte Familie ebenfalls!"
    Wutentbrannt riss er sich das feine Hemd vom Leib, sodass die goldenen Manschettenknöpfe durch die Luft flogen und warf es mir vor die Füße. In seinem Blick lag rasende Wut. Rasende Wut und endlose Bitterkeit.
    "Ich sollte dich umbringen. Ich sollte euch alle einfach
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  • Sebylle
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    „So höret her!“ Erschallten die Worte des Spielmanns Dante Marzio, welcher auf dem Dach eines Marktstandes in dem Marktviertel stand. Seine Hände waren gen Himmel gestreckt, sein Tenor erfüllte das Händlerforum von oben herab. Einleitende Trommelschläge machten auf ihn aufmerksam. Seine klaren grünen Augen richteten sich ernst auf das potentielle Publikum. Doch zog sein Trommeln und Getöse auch jene an, die seinen bezahlten Auftritt sabotieren wollten. Eine Frau mit Hut, welche durch diesen Auftritt gestört war. Selbsterkorene Kämpferin für die gerechte Sache. Ihr Misstrauen war groß, diesen Störenfried musste sie ausschalten. „SO HÖRET HIN, GUTES VOLK, ICH ERZÄHLE EUCH EINE GESCHICHTE, VON LIEBE, LEIDENSCHAFT UND SCHMERZ. EINE GESCHICHTE ÜBER EINE REISENDE DIRNE.“

    Sein Deut, wie auch die Blicke des Publikums richteten sich auf eine Schönheit. Schwarzes Haar, mit Kohle gefärbte Augen. Im Klang von Narrenschellen tänzelte sie im Trommellaut des Spielmanns… [Weiterlesen]
  • "Bereise eine Wüste nie ohne ausreichender Vorbereitung und habe einen klaren Kopf. Nicht so wie ich damals, verstanden?" Die Worte gaben mir zu denken. Und dann natürlich Vater's strenger Blick. Der Blick, der mir mal wieder nicht so schnell aus dem Kopf verschwindet. Ich nickte und hielt ihm die Türe offen, als er mitsamt seinem braunen Tornister sich vor meinem Haus befand und sich später aufmachte zum Gasthaus. Das Abendessen ist zwar nun vorbei, aber das Gespräch beschäftigt mich noch immer. Mal wieder wich Vater mehrmals dem Thema aus, wie er es auch so oft schafft. Wann ich endlich erfahre, was mit ihm vor meiner Zeit geschah? Und was es damals mit der Wüste auf sich hatte. Jedenfalls sollte ihm klar sein, dass ich selbstverständlich vorbereitet reise und nie ohne einem Plan. Immerhin war er es, der mich all die Jahre ausbildete und mich über das Rossmeer nach Velia segeln ließ. Viel mehr beschäftigt aber mich die kommende Reise. Zwar hatten meine Mitarbeiter bereits heute[Weiterlesen]

  • Ein kleines Boot ruht auf dem Wasser.

    Die Segel gerafft und von der Strömung getrieben, bewegte sich das stromlinienförmige Gefährt langsam aber bestimmt über das klare Wasser. Links sowie rechts an den Flussufer wuchsen Blumen, so farbenprächtig, dass kein Maler je gänzlich die Schönheit dieser Situation hätte einfangen können.
    Doch der Elf, welcher das Steuerrad in der Hand hielt, besaß in diesem Moment keinen Nerv für derlei Kostbarkeiten des Auges. Er hatte alle Hände voll zu tun das Fortbewegungsmittel nicht über irgendeinen Fels schrammen zu lassen, welcher sich unter der Wasseroberfläche verbarg.
    Durch die Brechung die Strömung und die Optik durch das kühle Nass war ein korrektes Einschätzen für ungeübte Flusspioniere beinahe nicht möglich. Wenn auch kristallklar, war das Wasser hier tückisch. Da war es auch schon passiert.
    Das verräterische Schaben von Stein auf Holz ließ die kleine Fähre aufschaukeln. Der Elf riss nicht am Rad, sondern machte kleinere, bedeutsamere… [Weiterlesen]
  • Hoffnung schöpfte ich immer wieder aus erreichbaren Quellen, so sollte sie mir Stärke verleihen.
    Stärke, den richtigen Weg zu finden und bis zum Ende durchzustehen.

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    Der Winter spielte sein übliches, übles Spiel als ich gerade erst Heidel erreichte. Meine Reise hatte sehr viel länger gedauert als vermutet, da ich aufgrund unzähliger Gefahren immer wieder vom Weg abgekommen bin. Meist sollte mir das Glück noch hold sein und mich fand ein Abenteurer, Wanderer, Forscher oder fliegender Händler bevor es üblere Gestalten taten. Es fühlte sich an, als stelle mir jemand eine schreckliche Ausdauerprobe. Eine Prüfung für Geist, Seele und letztendlich auch Körper. Der Körper eines Kindes, welcher mittlerweile abgemagert und knochig litt. Jeder meiner Knochen schmerzte mit jedem weiteren Schritt und eigentlich wollte ich nur noch heulen, mich zusammenrollen und den Winter mich holen lassen. Aber ich durfte nicht aufgeben. Urwa wollte, dass ich lebe und das
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  • Familien betrachtete ich immer mit unendlichem Neid.
    Immer wieder spielte die Frage "Was wäre, wenn ich eine Familie hätte?" eine große Rolle in meinem Leben.
    Meine Familie hatte mir diese Erfahrung nicht gegeben.

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    Meine kurzen Beine trugen mich mit hoher Geschwindigkeit durch die geschäftigen Straßen von Altinova, der rauen, sandfarbenen Stadt die durch den Handel gewisser Steine florierte.
    Das machte die Stadt leider nicht schöner, lediglich voller und reicher. Die Häuser wurden unsortiert, fast willkürlich, auf freiem Grund gebaut, Händler aller Art machten sich mit ihren billigen Ständen auf der Straße, die nur aus rotem Sand bestand, breit. Dazu rundete der Geruch das Ganze ab: Es roch immer nach dem Feuer eines Schmelzofens.
    Ich wollte raus aus der Stadt, und bald hatte ich auch genug Münzen zusammen, um bis nach Calpheon zu reisen.
    Schnell und flink navigierte ich meinen kindlichen Rahmen also durch die Reisenden, Händler,
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