Artikel 154

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  • Fest war ich der Meinung, dass das Leben stets geschützt und bewahrt werden sollte. Immerhin ist ein jedes Leben einzigartig und unersetzbar.



    Mit leichtem Schritt kam ich auf den dicken Ast des großen Baumes auf und ließ meinen Blick durch die Baumkronen nebenan streifen. Der Winter ist beinahe komplett gewichen und das Grüne kehrt zurück in die Natur. Ein Vorteil, den ich mir zu Nutzen machte während ich mich durch die gefährlicheren Ebenen Calpheons wagte. Wieder einmal schickte der Panther mich nach draußen, raus aus der Stadt, hinein in die Freiheit der ungezügelten Wildnis.
    Doch eilte ich nicht durch die dichteren Wälder des Fürstentums um mir die Beine zu vertreten, sondern hatte ich nach langer Zeit wieder ein Ziel. Aber sollte dies nicht ein gewöhnliches Mordopfer werden, sondern eine echte Herausforderung, denn bevor ich mir den Kopf des eigentlich Zieles hole, soll ich Angst und Schrecken säen.
    "He Igwe, du glaubst doch nicht wirklich, dass das 'ne einzelne Person sein… [Weiterlesen]

  • Die Hinrichtung
    (Tagebuch Eintrag von "Theoredoreus")


    Einst erfüllte es mich mit Freude und Neugierde, wenn ich durch die befüllten Gassen des Marktes spazierte, um mich mit den vielseitigen Eindrücken derer zu bereichern, die diesen besuchten. Kinder huschten aufgeregt und spielerisch durch die, von Gästen bevölkerten, Marktstände. Dieser Traum ist aber gänzlich verblasst als ich mich nach einer Ewigkeit wieder durch die Seitentore der Stadt wagte. Ich hielt ein versprechen und kam um es einzulösen, aber die Zeit hatte mir einen Streich gespielt. Nicht die Marktschreie waren es, die mich begrüßten, sondern der erregte Ruf des Todes, der bis heute in meiner Gedankengrube hallt. "Endlich legt man diesem Abschaum das Handwerk! Sollen sie in der Hölle schmoren" schlagartig ereilt mich ein mulmiges Gefühl, was hatte es damit auf sich? Die Menschen drängten in Richtung Zentrum, wie eine starke Strömung die alles mit sich zog, was keinen Halt fand. Ich ließ mich ebenfalls
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  • Der Imaginäre Freund
    (Aus “Dunkle Schwingen und kaltes Herz‘‘)


    Ein klarer Morgen breitete sich über Calpheon aus als Desideria sich erneut ihres Unterrichts entzog.
    Eine junge Dienerin begleitet den blonden Wildfang, der aufgeregt durch die Gassen hüpft.
    Durch ein kleines Seitentor wird dem Trubel der Stadt entkommen, während sich die ersten Bäume bereits über ihrem Blickfeld erstreckten.
    Das jüngste der "Cervius"- Kinder, zog es wieder ins ruhige und unermüdliche Grün, ganz gleich wie sehr man dem Mädchen dieses verboten hatte.
    Die etwas kräftig gebaute Bedienstete kommt oft aus der Puste, während sie dem kleinen Mädchen hinterher eilt.
    Eine schöne Szenerie bietet sich an jenem wolkenlosen Tag.
    "Fräulein Deria!" schallt es in den Wald als die Kleine hinter dem nächsten Baum verschwindet.
    Unaufhaltsam huscht das Gör durch die Sträucher, die bis zu ihrem Knie reichten und verjagt dabei einiges an Kleingetier, das sich unter dem Schutz der Halme verbarg.
    "Komm raus! Ich
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  • Ihre Schritte hallten von den dunkel gefärbten Wänden der Hallen des Obersten Gerichts des Kaiserreichs wider. Die breiten und hohen Gänge waren wie immer blank so blank gewischt, dass sich die Öllampen an den Wänden mehrmals wiederspiegelten. Alles zeugte vom Anspruch der Reinheit des Gesetzes und seiner Vollstrecker. Wie immer waren die vielen Türen fest geschlossen, kein Laut drang aus den Gerichtszimmern und Schreibstuben nach außen und kein Laut drang ein und störte das Tun hinter den Türen.

    Einst, so heißt es, stand dies für den Anspruch, dass alles innerhalb der Hallen und der Akten der Behörde blieb und auch, dass jeder Vorgang uneingenommen von äußeren Dingen behandelt wurde. Heute aber flüstert man, es diene alles dazu, dass die Proteste und Schreie der Verurteilten nicht nach außen dringen können- oder das Klingeln der Münzen, mit denen Recht gebeugt und gekauft wird im Kaiserreich.

    Die rothaarige Frau hielt vor einer der vielen Türen an und wartete schweigend ab. Den… [Weiterlesen]

  • Das verschollene Familienporträt
    (Aus “Dunkle Schwingen und kaltes Herz‘‘)



    In den tiefsten Ecken Calpheons findet man allerlei Dinge, die in Vergessenheit geraten sind oder bewusst aus dem Alltag der Stadt entzogen wurden. Darunter verbotene Bücher und Aufschriften, gar auch Porträts. Das verstaubte Gemälde der Familie Cervius, geschmückt mit einem goldenen Rahmen, weilte nach dessen Fall, für viele Winter, im verborgenen. Wie die Asche ihres Körpers wurden auch ihre Namen vom Winde verweht. Die stolze Malerei präsentiert die Kinder dieses verrufenen Blutes, deren Gesichter mit Feinarbeit für die Ewigkeit eingefangen wurden. Die Familie Cervius erntete einst viel Ansehen bezüglich ihres Handelsabkommens mit einflussreichen Familien, doch jene wird zerrüttet als das Familienoberhaupt erste Kontakte mit Tarif knüpfte. Um Elions Segen weiterhin erhalten zu können, wird die Treue Calpheons, mit einer arrangierten Heirat der ältesten Tochter "Reihae" besiegelt. Reihae Cervius galt als[Weiterlesen]

  • Lebst du zu lange in einer Welt der Unbeständigkeit, verlierst du dich schnell in der Zeit.



    Die Zeit des Krieges um Macht, Serendia gegen Calpheon, eine Zeit voller Leid und Opfer auf beiden Seiten.
    „Also gut Männer, die Hälfte des Weges zurück nach Heidel haben wir geschafft. Die Vorräte müssen spätestens morgen Mittag ankommen!", brüllt der Anführer des Karawanentrupps zu seinen Soldaten.
    Der Abend bricht an und die Sonne wirft ihren orangenen Schein auf das hügelige Land zwischen Olvia und Heidel. Eine Karawane bestehend aus drei großen Karren, geladen mit Weizen und Fleisch, muss zur Burgstadt gebracht werden, zwanzig Soldaten wurden mit der Eskorte beauftragt.
    Der Anführer ein noch junger Offizier namens Kedrigg.
    „He, hast mal von diesem berühmten Schwertmeister gehört? Anscheinend schickt der seine zwei Töchter auch in den Krieg. Sollen nicht schlecht aussehen. Wünschte, die wären hier."
    „Du sollst nicht reden, du sollst die Zelte aufbauen du Narr!", hetzt der junge… [Weiterlesen]
  • Ja ich weiß, die meisten sogenannten Helden erzählen in Tavernen oder am Lagerfeuer von ihren Heldentaten. Schön und gut, perfekt zum Einschlafen und zum Alpträume haben, wenn der große Riese mal wieder von seinem Kampf mit Untoten und Riesenspinnen erzählt.

    Das hier ist aber mein Tagebuch und meine Geschichte - klein für den Lesenden, groß für mich auf jeden Fall. Ich war immer der Meinung, man sollte mehr wissen über Helden und solche, die es mal werden wollen - also mich zum Beispiel. Zudem regnet es gerade und die Pfützen auf Velias Wegen sid schon jetzt so groß, dass ich drin baden könnte. Was? Ob ich das schon mal machte? Frag nicht weiter - man hat kein verstnändis für eine Shai, die im freien Baden will, also wirklich.

    Jedenfalls will ich offen und ehrlich erzählen, wie ich zu einem Spitz- und Rufnamen kam - bildet euer eigenes Urteil, ich stehe jedenfalls dazu zu träumen und ein Ziel weit hinter dem Horizont zu haben.

    Als ich klein war - haha, ja, ich weiß, ich kenne ALLE… [Weiterlesen]
  • Auf der staubigen, vollen rotbraunen Straße Altinova's war es geschäftig wie eh und je. Trotz der immer schlechter werdenden Stimmung und schwindenden Reichtums der Stadt verirrten sich unzählige Reisende und Händler hier her. Immer wieder wurde mir zugewunken oder zugenickt während ich diese verflucht schwere Kiste durch die Stadt hinüber zum Hafen transportiere. Wie üblich schickte mich der zwergische Schmied, den kaum einer wirklich leiden konnte, dort hinunter um die bestellten Waren da abzuliefern.
    "He Line, sag'm Zwerg doch ma', dass er sene Lief'rung selbst trag'n soll.", rief ein Wachmann, Krus, als ich an ihm vorbeimusste.
    Der Wachmann kam so langsam in die Jahre, was seine ausgeprägten Krähenfüße und weißen Ansätze im Bart und Haar deutlich klar machten. Er arbeitete immer am gleichen Platz schon seit ich vor vielen Jahren nach Altinova kam. Ein eigentlich freundlicher Mann, wenn er nicht gesoffen hat. Dann wurde er hitzköpfig und unter anderem auch sehr lebhaft was
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  • „Ich will eines Tages die Welt sehen, ich will Abenteuer erleben!“ (*)

    Als ich diese Worte sprach, lag ich als Kind in meinem Bett und blickte durch das Fenster zu den vielen leuchtenden Sternen im Himmelmeer weit droben über meiner Heimatinsel, Illya. Sie leuchtenden so unendlich weit entfernt und doch schienen sie immer nach mir zu rufen.

    Aber dann zog meine liebe Mutter meine Bettdecke höher und sagte nur: „Ach, kleine Maus. Eine Shai erlebt keine Abenteuer in der großen weiten Welt. Dort ist es gefährlich und gar nicht schön. Deine Heimat ist Illya, dort lebt deine Familie schon so lange in Ruhe und Sicherheit. Hier ist dein Platz, so wie der meine und der meiner Mutter vor mir und vor der. „
    Dann folgte immer die Geschichte unserer Familie und all unserer Ahnenfrauen, welche wichtige Aufgabe wir hier zu erfüllen haben in der Gemeinschaft der Insel. Jeder hat seinen Platz und der meine schien schon weit, weit vor meiner Geburt wie ein Tau festgezurrt zu sein.

    Wenn ich an meine… [Weiterlesen]
  • Zu jenem Zeitpunkt war die Nacht jung. Der Sternenhimmel schien klar und im Königswald, westlich der Stadt Heidel, kam die Ruhe herbei.
    Attorius, ummantelt in der Stahlrüstung vom Hause Verus und bewaffnet mit Bastardschwert, Dolch und einer brennenden Fackel, stand nahe der Klippe mit dem wachsamen Blick auf die Landschaft am südlichen Demiflussufer. Das Augenpaar des jungen Ritters schloss sich, als Schritte in den Gräsern zu hören waren und die Äste am Boden knackten. "Du hast die Bewegungen der Dunkelheit auch vernommen, Vater? Die Schwarzmagie, die Fäulnis und die Vorboten sich nähender Feinde?" Mit einem ruhigem und doch nachdenklichen Ton entkamen die Worte dem Lippenpaar.
    Augustus, welcher wie Attorius umgeben von einer blanken Stahlrüstung vom Haus Verus war, hatte als einzige Bewaffnung einen Dolch mit sich. Auch dessen linke Hand trug die flackernde Fackel. Die älteren, tannengrauen Augen blickten zum Sternenhimmel empor. "Schon vor zwei Tagen." Sprach der ältere Mann es… [Weiterlesen]